Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1202445
Einleitung. 
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nur noch eine Bemerkung von Luynes (a. a. U.) angeführt, weil sie mehrere 
Fälle betrifft: Die Sitte, Köpfe in der Vorderansicht auf Münzen darzustellen, 
scheint von geringer Dauer gewesen zu sein. Solche Köpfe aber finden sich 421 
auf den Münzen des Alexander von Pherae (stirbt 357 v. Ch.) und des Mau- 
solos (358), also zur Zeit, als die beiden Dionysier zu Syrakus herrschten. In 
dieselbe Zeit werden daher von den Stempelschneitlern Kimon, Kleudoros und 
Theodotos gehören. 
Als tfhatsache verdient hier noch hervorgehoben zu werden, dass sich 
Künstlernamen bis jetzt nur auf Silbermünzen gefunden haben. Nur eine kleine 
Bronzemünze mit der Inschrift (DPY bildet eine Ausnahme; aber auch bei ihr 
bemerkt R. Bochette, dass der Stempel zur Prägung in Gold bestimmt gewesen 
zu sein scheine. Wenn nun das bisherige Nichterscheinen von Namen auf Gold- 
stücken nur in dem verhältnissmässig selteneren Vorkommen derselben seinen 
Grund haben mag, so werden wir uns in Betreff der Bronzemünzen lieber zu 
der Annahme neigen, dass hier die geringere auf' das Gepräge verwendete Sorge 
falt die Weglassung der Namen ,veranlasst hat. 
Ueber die Stellung und die äussern Verhältnisse dieser Klasse von Künst- 
lern vermögen wir natürlich bei der Mangelhaftigkeit unserer Nachrichten eigent- 
lich nichts zu bestimmen. Dass ihre Thätigkeit so wenig wie die anderer Künstler 
nur an einen einzigen Ort gebunden war, ist eine sehr nahe liegende Voraus- 
setzung. Die Belege aber, welche B. Rochette für dieselbe aufstellen zu 
können glaubte. müssen wir allerdings sehr beschränken, indem wir als sicher 
nur eine Thätigkeit des Euaenetos für Sgrrakus und Katana, des Prokles für 
Katana und Naxos anzunehmen vermögen, also beide Male nur für je zwei 
nicht eben sehr weit von einander entfernte Orte. Eben so hat dafür, dass nicht 
selten an einer Münze zwei Künstler, der eine an der Vorder-, der andere an 
der Rückseite gearbeitet, R. Bochette keine hinreichend sichern Beweise bei- 
gebracht, wenn auch an sich die Möglichkeit eines solchen Verfahrens in ein- 
zelnen Fällen recht wohl zugegeben werden kann.  Nicht anders verhält es 
sich endlich auch mit einem dritten Punkte. Die auffällige Erscheinung, dass 
nirgends bei einem alten Schriftsteller sich die Erwähnung" eines Stempel- 
schneirlers findet, suchte man nämlich durch die Annahme zu erklären, dass 
sie in der Regel zugleich Steinschneider gewesen seien, und dass daher, was 
von diesen berichtet wird, zugleich auch auf jene zu beziehen sei. Für diesen 422 
Satz nun glaubte B. Bochette eine unzweifelhafte Bestätigung in der Vergleichung 
einer Münze und eines geschnittenen Steines, welche beide den Namen Phry- 
gillos tragen, gefunden zu haben. Der Stein ist ein häufig besprochener (siehe 
unter d. Steinschneidern) und zeigt uns Amor in der Stellung eines mit Astra- 
galen spielenden Kindes; hinter ihm eine geöffnete Muschel. Die Münze von 
Syrakus, mit dem von Delphinen umgebenen Kopfe der Arethusa ist in schönem, 
aber noch etwas strengem Styl gearbeitet, womit völlig übereinstimmt, dass die 
Umschrift die Form fYPJlKÜflOlNl hat. Wenn nun R. Rochette an dem Stein 
einen derselben Epoche würdigen Styl hat erkennen wollen, so vermag schon 
ein Blick auf die Abbildungen bei ihm (fitelvignette 1 u. 2 der Lettre a 
Mr. Scborn) uns zu überzeugeng dass er durch die Liebe zu seiner Hypothese 
sein Urtheil hat gefangen nehmen lassen. Denn ein unhefangenes Auge wird
        

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