Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1202427
Einleitung. 
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rung übernehmen. Mag dieser Gebrauch im Laufe der Zeit zugleich auch ein 418 
Ehrenrecht geworden sein, immer lag es in der Natur der Sache begründet, 
dass solche Inschriften und Zeichen deutlich und bestimmt in die Augen fallen 
sollten. Wenn wir daher neben diesen, wenn auch nur in verhältnissmässig 
sehr geringem Umfange, andere finden, bei welchen offenbar die Absicht waltet, 
dass sie erst bei aufmerksamer Betrachtung erkennbar oder überhaupt gefunden 
werden sollen, so leuchtet ein, dass auch deren Bedeutung eine wesentlich ver- 
schiedene sein muss, dass sie namentlich keine öffentliche Auctorität haben 
können. Erinnern wir uns aber jetzt an die Analogie der Genimenschneider, 
So wie an das, was noch heut zu Tage bei den Münzen gebräuchlich ist, so 
werden wir mit Nothwendigkeit darauf hingeführt, in diesen lnschriften die 
Namen von Stempelschneidern zu finden, indem sich uns keine andere Klasse 
von Personen darbietet, auf welche wir sie mit ilVahrscheinlichlaeit zurückzuführen 
vermochten. 
Die Kleinheit der Schrift und die Verborgenheit des Ortes bilden also für 
uns die Kriterien, nach denen wir uns die lnschriften der Künstler von denen 
anderer Personen zu unterscheiden berechtigt glauben. Solche Orte aber sind 
nach den bisher vorliegenden Erfahrungen etwa folgende: auf der Vorderseite 
an den Köpfen die Binden, durch welche das Haar zusammengehalten wird; die 
Fläche des Helmes über der Stirn oder die Scheide, in welcher der Helmbilsch 
ruht; sodann der Abschnitt des Halses; auf der Rückseite der schmale Streifen, 
durch welchen der untere Abschnitt von der übrigen Flache gesondert wird; an 
den verschiedenen Typen selbst namentlich die Sitze, seien dies etwa Fels- 
stücke, Basen, oder Throne, auf denen die Figuren ruhen; ferner auf beiden 
Seiten allerlei Beiwerk, das vom Haupttypus unabhängig im Felde vertheilt ist, 
wie ein Blatt, ein Diptychon, ein Tafelchen, eine Rolle u. a. Natürlich lassen 
sich hier die Grenzen nicht überall mit voller Sicherheit bestimmen; so mag 
z. B. eine Inschrift, auch wenn sie sich nicht auf dem Abschnitte des Halses, 
sondern etwas darunter im Felde findet, sofern sie sich nur durch die Feinheit 
der Schrift auszeichnet, ohne Bedenken auf den Künstler bezogen werden, und 
eben so mag es umgekehrt vorkommen, dass wir einmal da, wo wir einen 419 
Künstlernamen erwarten, eine andere Bezeichnung finden, wie z. B. auf einer 
Münze von Akragas den Namen der Stadt gerade eben so auf einem Täfelchen, 
wie auf Münzen von Syrakus und Katana den Namen des Euaenetos. Wir 
dürfen dabei nicht ausser Acht lassen, dass auf griechischen Münzen die Ver- 
theilung der Schrift nie so strengen Gesetzen unterworfen gewesen ist, wie etwa 
in der Neuzeit oder auch im Alterthume unter den Römern. Bei ihrer Be- 
trachtung muss also statt einer streng begrenzten Regel uns ein gewisser aus 
einer Mehrzahl von Beispielen abgeleiteter Takt maassgebend sein. 
Eine Schwierigkeit mag hier hervorgehoben werden, um hinsichtlich ihrer 
eine Frage an die Numismatiker vom Fach zu stellen. Nach den bisher ent-  
wickelten Grundsätzen müssen wir einige Namen, wie Euaenetos, Eumenos und 
Phrygillos wegen mehrerer Münzen auf Künstler beziehen; zugleich aber finden 
sich dieselben auf andern, welche für sich allein betrachtet eine solche Be- 
ziehung nicht gestatten, während doch die Verwandtschaft des Styls der Identität 
der Person auf beiden mindestens nicht widerspricht. Sollte hier nicht die An-
        

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