Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1202287
zweiten Jahrhunderts v. Ch. G. gelebt habe. Doch hindert uns nichts, _ja die 
mehrfache rühmliche Erwähnung bei Plinius, Cicero und Pausanias giebt uns 
fast das Recht. ihn in eine ältere Zeit, etwa die des Alexander hinaufzurücken. 
In dieser aber kann die Stellung der Toreutik kaum eine andere gewesen sein, 
als in der Periode des Phidias. Denn einzig von Euphranor wird berichtet, 
dass er bei seiner sonstigen Vielseitigkeit auch in diesem Kunstzweige Aus- 
gezeichnetes geleistet habe. Erst die Zeit der Diadochen scheint hier einen 
Umschwung bewirkt zu haben. Zwar vermögen wir in dieselbe mit voller 
Sicherheit ebenfalls nur wenige Künstler, etwa Stratonikos, Alkon und 
Apelles, zu setzen; aber wenn wir auch die lockere Zusammenstellung der 
berühmtesten Toreuten bei Plinius (33, 156) keineswegs für eine streng; chrono- 
logische halten dürfen, so lässt doch z. B. der Umstand, dass, wie Stratonikos 
aus Kyzikos, so Ariston und Eunikos aus Mytilene und Posidonios aus 
Ephesos stammen, darauf schliessen, dass diese Männer eben so wie durch ihre 
Geburt, so auch durch ihre ganze Thätigkeit in die Zeit eines regen Kunst- 
lebens in Kleinasien fallen; und ein solches finden wir dort gerade in der Periode 
der Diadochen. Bei andern Künstlern werden wir ferner durch die ganze Kunst- 
richtung auf dieselbe Zeit hingeführt: das Prunken mit der raffinirtesten Technik 
in den Arbeiten des Kallikrates und Myrmekides und kaum weniger in 
den Magiriscia des Pytheas erklärt sich in ihr hinlänglich durch die Ver- 
gleichung verwandter Erscheinungen auf dem Gebiete der Kunst sowohl, als 
des übrigen Geisteslebens, während es in jeder früheren Periode als eine Ab- 
normitäit dastehen würde. Endlich aber waren damals auch die äusseren Ver- 
hältnisse der selbstandigeren Entwickelung der Toreutik vorzugsweise günstig, 
indem von den Königshöfen aus der Luxus im Privatleben sich in immer weiteren 
Kreisen verbreitete, und deshalb auch an die Kunst in umfassenderem Maasse 
die Forderung gestellt wurde, zum Schmuck und zur Verschönerung des Lebens 
behülflich zu sein. Dieses Verhältniss dauerte zwar auch in Rom, als es Griechen- 
land unterjocht hatte, noch fort; von den berühmten Caelatoren bei Plinius 401 
gehört wenigstens einer, nemlich Pasiteles, sicher der römischen Periode, 
dem letzten Jahrhundert der Republik an; vielleicht auch Teucer, sofern die 
Bezeichnung crustarius als eine eigenthümlich römische auf einen Künstler 
römischer Zeit hinzudeuten scheint. Aber gerade auf seine Erwähnung folgt 
bei Plinius die Bemerkung, wie diese Kunst plötzlich in Verfall gerathen sei 
und man ihre Werke nur noch nach dem Alter schätze, so dass vom Gebrauche 
ganz abgeriebene Arbeiten, an denen kaum eine Figur zu erkennen, in be- 
sonderem Ansehen standen. Belege für die Richtigkeit dieser Angabe liefern 
die lateinischen Dichter, namentlich Martial, in reichlichem Maasse. Was man 
noch weiter arbeitete, mochten meist Copien Sein! im besten Fülle 8010118, Wie 
die, welche Zenodoros, der Künstler des neronischen Kolosses, nach den 
Originalen des Kalamis anfertigte; häufiger vielleicht aber förmliche Fälschungen, 
durch welche die Unwissenheit und Leichtgläubigkeit der reichen Römer ge- 
täuscht werden sollte, bis endlich auch diese affectirte Kunstliebe einer neuen 
Mode, der Bewunderung des Geschirres aus kostbareren Stoffen und Steinarten, 
weichen musste. 
 Die selbständige Blüthe der Toreutik bildet also eigentlich nur eine Epi-
        

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