Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1202273
nw-zuten. 
lich sehen wir auch hier wieder den Satz bestätigt, dass in den früheren Perioden 
die Ausübung mehrerer von einander getrennter Kunstzweige nicht immer eine 
nach den Personen streng geschiedene ist, sondern dass sich dieselben häufig 
in einer Hand vereinigt finden. So, um von Daedalos zu schweigen, den 
wir wegen einer vereinzelten Erwähnung nicht sogleich für den Vertreter der 
Toreutik in der mythischen Zeit halten dürfen, ist sogleich der Künstler, welchem 
die Erfindung des Erzgusses beigelegt wird, Theodoros von Samos, durch 
mehrere Werke berühmt, deren Verdienst nur auf der Gisellirung beruhen konnte. 
Von Phidias heisst es nicht nur, dass er die Toreutik (im weiteren Sinne) 
begründet, von Polyklet, dass er sie durchgebildet; sondern es ist auch bei 
beiden Meistern von einzelnen Proben der Gisellirung in kleinem Maassstabe 
die Rede. Dasselbe gilt von Myron, und Kalamis gehört sogar zu den Meistern 
in diesem Fache. Von Kallimachos wird wenigstens ein toreutisches Werk 
angeführt. Zwar sind die hierher gehörigen, meist aus der römischen Kaiser- 
399 zeit stammenden Nachrichten als in hohem Grade verdächtig bezeichnet worden 
(vgl. Friedländer: Ueber den Kunstsinn d. Römer, S. 35 flgd.), und in gewisser 
 Weise mit Recht: denn allerdings ist gewiss, dass im Kunsthandel der Kaiser- 
zeit mit falscher Anwendung berühmter Namen der grösste Unfug getrieben 
worden ist. Von der Frage über einzelne Erwähnungen muss aber nach meiner 
Ansicht die andere Frage getrennt gehalten werden, 0b von derartigen Arbeiten 
eines Phidias oder verwandter Künstler überhaupt die Rede sein könne: und 
diese letztere sehe ich keinen Grund zu verneinen. Denn einerseits setzt z. B. 
schon die Ausschmückung der chryselephantinen Kolosse eine gründliche Kennt- 
niss der Toreutik voraus, und bei dem gerühmten Verdienste des Phidias und 
Polyklet um diese Kunst können wir unmöglich annehmen, dass sie sich hier 
zur Ausführung ausschliesslich nur fremder Kräfte bedient haben. Andererseits 
aber ist uns eine Zahl von Künstlern bekannt, deren Thätigkeit in der sta- 
tuarischen und zugleich in der eigentlich toreutischen Kunst durchaus keinem 
Zweifel unterworfen ist, so vor allen Euphranor, Boethos, dann Stratonikos, 
Ariston, Eunikos, Hekataeos, Posiclonios, Pasiteles und endlich der Meister des 
neronischen Kolosses, Zenodoros. Ja nach unsern allerdings sehr dürftigen Nach- 
richten liesse sich eher behaupten, dass überhaupt erst in der Zeit des Phidias 
die Toreutik als selbständiger Kunstzweig sich von_ der Erzbildnerei abzulösen 
begonnen habe. Am schärfsten tritt dies an der Persönlichkeit des Mys her- 
vor, der, nach Entwürfen des Parrhasios arbeitend, seinen Ruhm ausschliesslich 
in der Ausführung sucht. Mit ihm etwa gleichzeitig mag Mentor thätig ge- 
wesen sein, der berühmteste der Toreuten des Alterthums. Aber dass in der 
glänzendsten Blüthezeit der Kunst nur zwei Meister zu hohem Ansehen ge- 
langen, kann uns zugleich darauf hinweisen, wie damals die selbständige Aus- 
übung- der Toreutik noch keine sehr ausgebreitete sein mochte; und vielleicht 
ist es nicht zufällig, wenn Plinius die Werke der vier ersten Meister, des Mentor, 
Akragas, Boethos und Mys, als in Tempeln aufbewahrt erwähnt. Es würde 
daraus hervorgehen, dass auch dieser Kunstzweig ursprünglich nicht sowohl 
dem Luxus des Privatlebens, als heiligen Zwecken gedient habe. Ueber des 
400 Akragas Zeit sind wir freilich völlig im Ungewissen; und über Boethos 
liess sich sicher nur ausmachen, dass er nicht später, als etwa im Anfange des
        

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