Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199718
Malen 
Die Namen der Künstler giebt Pausanias nicht an. Nach einer Erwähnung; 
des Plinius i) war ein Theil des Ganzen von Polygnot gemalt, und zwar um- 
sonst, ein anderer von Mikon gegen Bezahlung. Völlig ungewiss ist der Meister 
des ersten Bildes. Das zweite wird ausdrücklich dem Mikon beigelegt: Arist. 
Lys. G78 sqcp, Arrian VII, 18, 10, wo schon längst Mixmvog für Kinwvog ver- 
bessert ist. Das dritte malte Polygnot: Plut. Cim. 4. schwankender sind die 
Angaben über das vierte Bild, die marathonische Schlacht. Pausanias nennt 
später gelegentlich Panaenos, den Bruder des Phidias, als den Künstlerg); und 
dies wird ausdrücklich von Plinius 3) bestätigt. Dagegen spricht Aelian4) von 
Mikon und von Polygnot, und für Ersteren zeugen Arrian 5), so wie Sopatros ß) 
in einer rhetorischen Uehung über das Thema: Mikon sei von den Athenern 
bestraft worden, weil er die Barbaren grösser gemalt, als die Hellenen; wofür 
eine gewisse Bestätigung" in dem Citat des Harpokration 7) aus der Rede Ly- 
kurgfs 1129i rrjg Zsgsiag vorliegt, in welchem freilich nicht der Anlass der Be- 
strafung, wohl aber die Summe des Strafgeldes, nemlich dreissig Minen, ange- 
geben wird. Was nun Polygnot anlangt, so lässt sich seine Erwähnung allen- 
falls daraus erklären, dass im Alterthum zuweilen wohl die ganze Ausschmtickung 
der Poekile als sein Werk bezeichnet werden mochte S), und dass er vielleicht 
von Kimon mit der Oberleitung des Ganzen war betraut worden. Dagegen 
werden wir nicht umhin können, dem Mikon einen bestimmten Antheil auch 
an der Ausführung selbst neben Panaenos zuzuerkennen, freilich aber ungewiss 
lassen müssen, ob eine der grösseren Abtheilungen, in welche dieses Gemälde 
zerfällt, oder nur einzelne, in dem ganzen Bilde zerstreute Figuren oder Gruppen 
von seiner Hand waren  
Blicken wir nun auf die Gemälde selbst, so bereitet uns sogleich das erste 
die Schwierigkeit, dass wir von dem Kampfe bei Oenoä durchaus keine zuver- 
lässige Kunde haben. Sodann vermögen wir nicht anzugeben, in welcher ide- 
ellen Verbindung dieses Gemälde mit den drei übrigen zu denken ist: diese 
stehen offenbar in einem trilogischen Zusammenhange, gerade so, wie die Perser 
des Aeschylos. Das Grundthema ist dasselbe, womit auch Herodot seine Er- 
zählung der Perserkriege eröffnet: Kampf des Griechenthums gegen Asien, und 
zwar mit besonderem Bezuge auf Athen, welches in dem Amazonenkampfe, dem 
ersten der Griechen gegen nicht Stammesgenossen (Paus. V, 11, 7), mehr, als 
in dem Argonautenzuge, in der Schlacht von Marathon mehr, als in der von 
Salamis verherrlicht ward. Wenn aber schon in dem delphischen Bilde von 
Ilions Einnahme den athenischen Helden eine höhere Bedeutung beigelegt ward, 
als etwa bei Homer, so dürfen wir wohl annehmen, dass diese Bevorzugung in 
dem athenischen Bilde in noch verstärktem Maasse hervorgetreten sein wird. 
Nehmen wir nun endlich dazu, dass das Bild der Schlacht bei Oenoe eines ge- 
ringeren Rufes, als die übrigen theilhaft geworden zu sein scheint, so ist viel- 
leicht die Vermuthung nicht zu gewagt, dass es gar nicht zu dem urprünglichen 
Cyklus gehört habe, sondern erst später hinzugefügt worden sei.  Ueber die 
1) 35. 59. 2) V, 11, 6.  35, 57. 4) 11.3.11. VII, 38. 5) 1. l. ü) (Yuzfgun; Qqrrkurircvxr 
I, S, p. 120 sqq. Walz. 7) s. v. JVIrQzwv. 5) vgl. Suidas s. v. fllemmvdzraao; 010d und 
Zrjwov. Diog. Laöx-t. im Leben des Zeno. 9) Ausführlicher, aber im Ganzen übereinstimmend 
handelt über diese Frage O. Jahn arch. Aufs. S. 16 Hgd.
        

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