Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1202023
Klasse der Sophisten angehörte, was er sogar äusserlich durch eine gewisse 
Eitelkeit in seinem Auftreten bekundete (Arist. 1.  Auch die Bezeichnung 
als nsrscapoltöyog, die von einer Nebenbeziehung auf ein gewisses phantastisches 
Treiben nicht frei ist, deutet darauf hin. Das Streben der Sophisten ging aber 
hauptsächlich darauf hinaus, überall im Leben, wo bisher Sitte, Gewohnheit 
und praktisches Verständniss maassgebend gewesen war, ein bestimmtes theo- 
retisches, nach bewussten Principien gegliedertes Wissen zur Geltung; zu bringen. 
So war nach Aristoteles Angabe Hippodanios der erste, welcher, ohne selbst an 
den Staatsgeschäften praktischen Antheil zu nehmen, über politische Gliede- 
rungen und die beste Verfassung des Staates schrieb. Was Aristoteles darüber 
berichtet, zeigt, dass er dabei von einem durchaus abstracten Schematismus 
ausging, und, anstatt den Staat sich aus gegebenen Verhältnissen entwickeln 
zu lassen, diese Verhältnisse unter bestimmte theoretische, zum Theil arith- 364 
rnetische Kategorien unterzuordnen trachtete. Ganz dieselbe Geistesrichtung 
zeigt sich auch in seinen architektonischen Bestrebungen: so wenig wie um 
praktische Staatsgeschäfte, scheint er sich um die eigentliche praktische Technik 
des Bauwesens bekümmert zu haben. Vielmehr war auch hier sein Ziel nur, 
die Anlage grösserer Gornplexe von Bauwerken, also besonders die Anlage ganzer 
Städte auf scharfgegliederte, geometrische Principien zurückzuführen. Hippo- 
damos war es nach Aristoteles, welcher njv roäv ndltscotl öuxlosarv 21792 xat rdv 
Hstgaui Xafäffglf, also die später sogenannte givyoroyia erfand, welche haupt- 
sächlich auf einer regelmässigen Anlage der Strassen beruhte: vgl.Polit. VlI, 10,4: 
if 1'031: iöiwvoixrjoscov duiäsolg    aürrnto;   xal xocrd Tdv 12203129012 xat rdv 
(Infruöulglöbflv TQÖTCOv-n  So scheint im Peiräeus die Agora als grosser Platz den 
Mittelpunkt gebildet zu haben, von welchem aus die Strassen nach bestimmten 
Linien regelmässig geordnet waren: Ymroöotlzsta riyopri ronog äv rqi Uslgatsi 
dnd Tnnoötiyov iliftlvyoiov (Zoxträxrovog, rroujoavrog Ziövyvalotg röv Iletgcuri zal 
xararsndvrog wir; ndltsawg rdg (iöoüg: Bekker, anecd. I, 266; Phot. p. 111; cf. 
Xenoph. Hellen. ll, 4, 11; Andoc. de myster. ä 4-5; Harpocr. s. v. Trmoörinsta, 
und auf die ganze Anlage zielt wohl Aristophanes in den Vögeln (1004- flgd.),  
wo er von der in der Luft projectirten Stadt des Meton, eines dem Hippodamos 
vielfach verwandten Geistes sagt: 
693? yerozjoco xdvovl, npoonäsig, i've: 
Ö nzixlog yävryrai am rsrgoiycovog xdv yäoog 
ciyogd, qmpovoar. 3' odow sig aünfv 660i 
dgäal. rrpög aürö rd uäoov, oäaneg 6' daräpog, 
aziroü xvxltotpoüg dvrog, ögäal nccvrccxrf 
rixrivsg oinoldlznoaorv. 
Von Thuriuni wird es uns bestimmt überliefert, dass die Stadt der Länge 
nach von vier, der Breite nach von drei Hauptstrassen regelmässig durchschnitten 
war: Diod. XII, 10; und eben so wird von Rhodos die Regehnässigkeit der An- 
lage, welche die ganze Stadt wie ein Haus erscheinen liess, besonders hervor- 
gehoben, nur dass hier wegen der Beschaffenheit der Oertlichkeit der Plan des 
Ganzen nach der Form eines Theaters geordnet war: Aristides I, p. 799; 
Diod. XIX, 45; XX, 83. So bedeutend uns indessen hier der Einfluss des Hip- 365 
podamos entgegentritt, so ist er doch keineswegs auf diese unter seiner be-
        

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