Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199690
Male: 
zu Kimon offenbaren sich dann ferner darin, dass er in der peisianaktöischen 
Halle malte, welche, wie Jahn 1) vermuthet, von einem Schwager des Kimon 
erbaut, von dem Letzteren dagegen mit Gemälden geschmückt und in Folge 
dessen Poekile genannt wurde. Dort stellte Polygnot in dem Gemälde der 
Zerstörung Ilions die Laodike, des Priamos Tochter, unter dem Bilde der Elpinike, 
der Schwester des Kimon, dar 3), worauf man in neuerer Zeit auch deshalb 
Gewicht gelegt hat, weil man daraus den Zeitpunkt der Entstehung des Werkes 
genauer bestimmen zu können meinte, wenn auch, wie mir scheint, ohne Grund. 
Als nemlich bald nach der Unterjochung von Thasos Kimon angeklagt ward, 
versuchte Elpinilze den Perikles als einen der bedeutendsten unter seinen Gegnern 
durch ihre persönliche Verwendung günstiger zu stimmen. Da soll nun Perikles, 
wie um zu zeigen, dass die Reize der Fürsprecherin auf ihn keinen Eindruck 
hervorbrächten, geantwortet haben; Fgaüg sZ, ygaüg; cd lEÄntvtzq, 05g rvylttxaüra 
özarzgdrrsodai rtpctyyiara  Elpinike war beim Tode ihres Vaters (O1. 72, 4-) 
ein junges Mädchen (26917) und unverheiratet, konnte also zur Zeit ihrer Begeg- 
nung mit Perikles etwa vierzig Jahre alt und immer noch eine schöne Frau 
sein; und in der That scheint sie doch auch ihre Absicht nicht verfehlt zu 
haben: Perikles gab seine, wie Sillig meint, "inurbaner Antwort lächelnd (net- 
örotocag), und zeigte sich im Verlaufe des Processes wirklich milder, als zu er- 
warten gewesen war. Dass hieraus jedoch die Zeit des polygnotischen Gemäldes 
sich näher bestimmen lasse, scheint mir auch deshalb nicht möglich, weil wir 
über die besondere Art der Darstellung des Portraits nicht genau unterrichtet 
sind. Laodike wird allerdings einmal bei Homer i) siöog; dgio-n; genannt; nach 
ihrer Stellung in der Familie des Priamos durfte sie jedoch der Künstler nicht 
in zarter Jugendblüthe darstellen, sondern hatte volle Freiheit, sie selbst dem 
Charakter einer Matrone nahe zu bringen. Ein Hauptzweck des Künstlers war 
17 aber gewiss immer der, dem Bruder der Elpinike, seinem Beschützer, eine Huldi- 
gnng darzubringen. Selbst, ob wir es mit einer andern Nachricht bei Plutarch 
über Elpinike: ngög Holüyvwrov ägayagrsiv, sehr genau zu nehmen haben, 
lässt sich gerade deshalb bezweifeln, weil diese Sage von der Art ist, dass sie 
eben nur dem gemalten Portrait ihre Entstehung verdanken konnte. 
In die Zeit gegen Ol. 80 gehört endlich auch ein Gemälde des Polygnot 
in der Vorhalle des Tempels der Athene Areia zu Plataeaeß). Denn dieser 
Tempel war aus der Beute der Perserkriege errichtet und Phidias machte für 
denselben das Götterbilrl,  Während nun so alle einzelnen Bestimmungen 
etwa in dem Zeitraum von O1. 75-80 zusammentreffen, könnte es nach den 
Gemälden, welche Polygnot in einem mit den Propylaeen zusammenhängenden 
Gebäude ausführte G), den Anschein gewinnen, als 0b der Künstler noch bis O1. 
87, 1, dem Jahre der Vollendung der Propylaeen, gelebt habe. An sich wäre 
dies freilich nicht unmöglich, doch müsste es immer auffallen, dass aus der 
ganzen Periode der perikleischen Staatsverwaltung sonst kein einziges Werk 
des Polygnot angeführt wird. Wollte man freilich annehmen, jene Gemälde 
seien nicht Wand- sondern Tafelmalereien gewesen, so könnte man sagen, dass 
1) Arch. 
Paus. IX, 4, 
177; 
22 
Plut. 
Ciln. 
Plut. 
Cim. 
124.
        

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