Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201825
Historischer Ueberblick. 
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mögen daher hier nur deshalb erwähnt werden, weil in den Schriften der Alten  
ihnen der Name von Architekten besonders beigelegt wird. 
Wir haben gesehen, wie die Architektur am Anfange dieser Periode (um 
Ol. 100) über deniZustand der vorangehenden Epoche kaum merklich hinaus- 
gegangen war und nur ihre Thätigkeit nach den verschiedensten Seiten hin 
erweiterte. Auf der Stufe, auf welcher wir sie unter den ersten Nachfolgern 
Alexanders finden, mag sie sich im Allgemeinen auch unter dessen Nachfolgern 
erhalten haben. Die Pracht der Königshöfe liess es ihr nicht an Gelegenheit 
fehlen, sich glänzend zu bethätigen. Aber freilich mag" dabei oftmals weit mehr 
das Streben nach Effect, als der bescheidenere, aber edlere, wahre Kunstsinn 
Nahrung und Befriedigung gefunden haben. Im Gegensatz hierzu erscheint es 
von Bedeutung, dass gleichzeitig mit den Kämpfen zwischen Rom und Griechen- 
land die griechische Kunst dort einen entschiedenen Einfluss zu gewinnen an- 
fängt. Hier waren die äusseren Verhältnisse wesentlich anderer Natur, und 
namentlich, so weit es sich um Unternehmungen architektonischer Art handelt, 
mehr denen der voralexandrinischen Freistaaten, als denen der folgenden Königs-  
zeit analog. So sind es denn zunächst Tempelbauten, durch welche Rom seiner 
wachsenden Macht entsprechend sich zu verschönern beginnt. Aber während 
auf dem Gebiete der Sculptur und zum Theil auch der Malerei der griechische 
Einfluss sich nur darin zeigt, dass sich Rom mit griechischen Werken füllt, von 
römischen Künstlern aber, welche sich an denselben gebildet, fast nirgends die 
Rede ist, offenbart er sich in der Architektur wesentlich anders: hier lernen 
die Römer von den Griechen, so dass sie ihren Lehrern bald ebenbürtig zur 
Seite stehen. Allerdings ist es ein Grieche, Hermod oros von Salamis, welcher 
zur Zeit des Metellus Macedonicus den Bau der Tempel des Jupiter Stator und 
des Mars leitet. Aber. schon vor dieser Zeit wird von Antiochus Epiphanes zur 
Vollendung eines der gewaltigsten Tempel des Alterthums, des unter Peisistratos 335 
begonnenen Olympieions zu Athen, ein römischer Bürger Gossutius berufen; 
und später sind es neben dem Griechen Menalippos wiederum zwei Römer, 
C. und M. Stallius, denen von Ariolaarzanes die Wiederherstellung des Odeums 
in Athen übertragen wird. Ja, das Werk des Römers G. Mutius stellt Vitruv 
gerade als in architektonischer Beziehung ausgezeichnet hin. Hiermit steht es 
im Einklang, dass auch die theoretischen Studien über Architektur Verhältniss- 
massig früh in Rom Eingang finden: wahrscheinlich schon um die Mitte des 
siebenten Jahrhunderts der Stadt schreibt Fufidius das erste Buch über Bau- 
kunst. Später folgen ihm darin P. Septirnius und M. Terentius Varro, 
und endlich in der augusteischen Zeit Vitruvius, leider der einzige aus dem 
Alterthum erhaltene Schriftsteller über Architektur. S0 vielfachem Tadel sein 
Werk auch unterworfen sein mag, und so dürftig namentlich die von ihm mit- 
getheilten historischen Notizen sind, so sind wir doch von nun an ohne seine 
Hülfe noch weit weniger im Stande, die vereinzelten Notizen über die folgenden 
Architekten irgendwie zu einem Gesamrntbilde zu verarbeiten. 
Von wem die reichen und umfassenden Bauten des Augustus und seiner 
nächsten Nachfolger ausgeführt wurden, wird nicht einmal flüchtig erwähnt. 
Nero fand für seine oft unsinnigen Unternehmungen in Geler und Severus 
die passenden Werkzeuge; für Domitian scheint Rabirius thätig gewesen zu 
Brunn, Geschichte der griechischen Künstler. II. 2. Aufl. 15
        

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