Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201808
Historischer 
Ueberblick. 
korinthische Ordnung schon so bekannt ist, dass er darüber schreibt, von Vitruv 
als ein Künstler angeführt wird, Welcher für die Anwendung der ionischen gegen- 
über der dorischen bei Tempelbauten kämpft und daher das Asklepieion zu 
Tralles in diesem Style aufführt. Der gleichen Ansicht huldigt Pythios, der 
Erbauer des Tempels der Athene zu Priene und Architekt des Mausoleum; und 
endlich Hermogenes: er wählte nicht nur die ionische Ordnung für den 
Tempel der Artemis zu ltlagnesia, sondern zu Teos, wo bereits das Material 
zum Dionysostempel für einen dorischen Bau vorbereitet war, liess er dasselbe 
gänzlich für einen ionischen umarbeiten. Allerdings weist uns die 'I'hätigkeit 
der genannten drei Künstler auf Kleinasien hin, WO von jeher der ionische Styl 
der vorherrschende war. Nichtsdestoweniger aber treten sie zu den frühern da- 
durch in einen bestimmten Gegensatz, dass sie jenem nach Vitruv's bestimmter 
Angabe in Folge gewisser theoretischer, durch Abstraction gewonnener An- 
schauungen den Vorzug geben. Der besondere Styl erscheint also bei ihnen 
nicht mehr als etwas nothwendig und unbewusst aus der Eigenthümlichkeit des 
Volkes oder Stammes Hervorgegangenes, wobei der Künstler dieser nur die be- 
stimmte Form der Erscheinung verleiht; vielmehr tritt von hier an und bei der 
Weiteren Entwickelung der Baukunst immer mehr die Individualität des Archi- 
tekten in den Vordergrund. Das Verdienst der genannten Männer soll hier- 
durch keineswegs verkleinert werden: die Erfindung des Eustylos und Pseudo- 
dipteros namentlich, welche von Vitruv dem Hermogenes beigelegt wird, er- 
scheint sogar durchaus als ein wahrer und naturgemässer Fortschritt auf dem 
Gebiete der künstlerischen Erfindung; und in der Ausführung gehören ihre 
Werke noch ganz der Blüthenzeit der Kunst an. Ja selbst ihren theoretischen 
Bestrebungen können wir ein bestimmtes Verdienst nicht absprechen. Denn 
indem das urspünglich künstlerische Bewusstsein der früheren Zeit in ihnen 
noch keineswegs erstorben war, waren gerade sie im Stande, was diese ge- 
leistet, nicht etwa bloss als Thatsache (wie es in den älteren mehr beschreibenden 
architektonischen Schriften der Fall sein mochte), sondern systematisch in Form 
bestimmter Lehren nach inneren Gründen der Nachwelt zu Nutz und Nach- 
achtung zu überliefern. Der längere Fortbestand der Architektur in achtungsl 
werther Tüchtigkeit ist also wahrscheinlich gerade den genannten Meistern an- 
zurechnen. 
Dass in dieser Zeit, als deren Mittelpunkt wir die Regierung Alexanders 
betrachten mögen, noch eine grosse Zahl von Tempeln gebaut wurde, unter- 
liegt keinem Zweifel. Aber die Meister, welche dieselben ausführten, sind uns 
fast durchgängig unbekannt geblieben, vielleicht deshalb, weil ihnen ein be- 
sonderes Verdienst der Eriindung nicht zukommen mochte, sondern sie sich 
innerhalb der von andern bereits bezeichneten Bahnen bewegten. Erwähnt 
werden Menesthes, welcher zu Alabanda den Pseudodipteros des Apollo er- 
baute; und Philon, welcher durch die Anfügung einer Vorhalle an das Tele- 
sterion zu Eleusis nicht bloss für die Bequemlichkeit der Eingeweihten sorgte, 
sondern auch den Glanz des Gebäudes bedeutend vermehrte. 
An Ruhm wenigstens gleich steht den Tempelbauten dieser Zeit das 
Mausoleum zu Halikarnass, freilich wohl eben so sehr wegen seiner plastischen 
Ausschmückung, als wegen seiner architektonischen Anlage. Ob Skopas, der
        

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