Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201777
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Architekten. 
übernommen war, einem korinthischen Meister Spintharos übertragen. In 
Olympia aber ist der Architekt des Zeustempels, der in dieser Periode wenig- 
stens begonnen sein wird, ein einheimischer Künstler, Libon, während später 
an Tempelbild und Giebelschmuck der attischen Kunst Gelegenheit geboten 
wird, sich zu verherrlichen. 
Ueber andere Bauten, wie das Schatzhaus der Epidamnier zu Olympia, 
ein Werk des Pyrrhos, Lakrates und Hermon, sind wir zu wenig unter- 
richtet, als dass wir zu bestimmen vermochten, welche Bedeutung ihnen in 
architektonischer Beziehung zukommt.  In Sicilien und Griechenland endlich 
sind zwar noch gewaltige Bauten aus dieser Zeit theilweise erhalten: über ihre 
Architekten aber mangeln alle Nachrichten. 
Die Thätigkeit der bisher erwähnten Künstler beginnt zum Theil schon 
gegen die 5Oste Olympiade, am regsten ist sie etwa zwischen Ol. 55 und 60; 
um die ööste scheint sie erloschen, und von einem neuen Geschlechte, welches 
sie sofort wieder aufgenommen hätte, schweigt unsere Ueberlieferung. Die 
 Kämpfe mit den Persern, zuerst in Kleinasien, dann in Griechenland, erklären 
A327 diese Unterbrechung zur Genüge. Mit ihrer siegreichen Beendigung beginnt 
auch auf dem Gebiete der Architektur eine neue gewaltige Thätigkeit. In Klein- 
asien ist es zunächst die Vollendung des ephesischen Tempels durch D em etrios 
und Paeonios, welche hiervon Zeugniss ablegt. Aber auch ein Neubau, das 
Didymaeon zu Milet, ersteht unter der Leitung desselben Paeonios und des 
Daphnis, und verräth den Fortschritt der Zeit durch ein Streben nach 
grösserer Verfeinerung der Form. 
In Griechenland hatte sich durch die Perserkriege besonders die Macht 
Athens gehoben. Zunächst freilich, während der Staatsverwaltung des Themi- 
stokles, gilt es, durchaus praktische Zwecke zu befriedigen, nemlich für den 
Wiederaufbau der Stadt zu sorgen. Schon Kimon aber beginnt die Verschöne- 
 rung, und unter Perikles überstrahlt Athen durch den Glanz seiner künstlerischen 
Unternehmungen alle übrigen Staaten Griechenlands in demselben Maasse, wie 
es auch auf dem Gebiete der Politik die Hegemonie ausübt. Dem Perikles zur 
Seite steht Phidias als der leitende und lenkende künstlerische Geist, wenn 
auch als ausführender Künstler nur auf dem Gebiete der Sculptur thätig. Unter 
den Architekten scheint Iktinos die erste Stelle eingenommen zu haben. Das 
Parthenon und der Tempel der Demeter zu Eleusis, das sogenannte Telesterion, 
werden als seine Werke bezeichnet, und auch über die Grenzen Attika's muss 
sich sein Ruhm verbreitet haben, da Pausanias ihm den Tempel des Apollo 
Epikurios bei Phigalia beilegt. Den Ruhm der attischen Bauten theilt er zwar 
mit andern Künstlern: Kallikrates, auch sonst bekannt als der Architekt, 
welcher den Bau der langen Mauern übernommen hatte, wird als sein Genosse 
beim Bau des Parthenon genannt; Karpion schrieb über denselben, vielleicht 
mit Iktinos gemeinschaftlich. Die Ausführung des Telesterion aber wird von 
Plutarch sogar drei ganz verschiedenen Architekten zugeschrieben, welche sich 
dabei nach einander ablösten: dem Koroebos, Metagenes und Xenokles. 
Wir werden dadurch zu der Vermuthung geleitet, dass Iktinos vielleicht 
weniger praktisch ausführender, als entwerfender Künstler war, wodurch es sich 
328 auch erklären lässt, dass der schwerlich vor dem Beginne des peloponnesischen
        

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