Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201763
sie die ersten gewaltigen Manifestationen eines zu vollem Bewusstsein durch- 
gedrungenen Kunstgefühls sind. Durch sie hat die Architektur eine feste Regel, 
einen bestimmten Styl gewonnen; es gilt nun zunächst nicht mehr, neue Formen 325 
aufzustellen, sondern auf der Grundlage des Gewonnenen das Einzelne aus- 
zubilden oder in neuen Verbindungen anzuwenden. Je bestimmter aber die 
Grundregel, um so wichtiger ist es, dass sie sicher zu allgemeinerem Gebrauche 
überliefert werde; und aus diesem Grunde wage ich die Ueberlieferung des 
Alterthums nicht in Zweifel zu ziehen, welche bereits dem Theodoros, so wie 
dem Ghersiphron und Metagenes Schriften über jene grossen Tempelbauten beilegt. 
Ganz anderer Art, als diese letzteren, war ein Werk, welches nicht weniger 
die Bewunderung des Herodot erregte, und daher sicher der älteren Zeit an- 
gehörte, die Wasserleitung auf Samos, von Eupalinos aus Megara ausgeführt, 
vielleicht unter der Regierung des Polykrates, durch den sich Samos einer hohen 
Blüthe erfreute. Freilich dürfen wir ein solches Werk nicht nach dem Maass- 
stab unserer heutigen Technik messen, und auch in den späteren Zeiten des 
Alterthums würde es kaum als etwas so Ausserordentliches hervorgehoben 
werden, wie von Herodot; so wie wir denn auch in der That bei keinem 
späteren Schriftsteller irgend eine Erwähnung davon finden. Seinen Ruhm ver- 
dient es indessen als das erste in seiner Art. Wenn sich nun hier, wo es sich 
weniger um künstlerische Schönheit, als um Ueberwindung technischer Schwierig- 
keiten handelte, der Name des Architekten im Gedächtnisse der nächstfolgenden 
Geschlechter erhielt, so dürfen wir wohl daran erinnern, wie auch der Erfindungen 
des Chersiphron und Metagenes, vermöge deren sie die Säulen und das Gebälk 
aus den Steinbrüchen transportirten und das Gebälk in die richtige Lage brachten, 
mit besonderem Lobe gedacht wird. Wir erkennen daraus, dass wir es jetzt 
noch mit einer Zeit zu thun haben, welche es dem Künstler noch nicht ge- 
stattet, seine Aufmerksamkeit ausschliesslich der Ausbildung der künstlerischen 
Form zuzuwenden, sondern ihn zwingt, stets die Ausführbarkeit seiner Pläne 
ins Auge zu fassen und die ihr entgegenstehenden materiellen oder technischen 
Hindernisse aus dem Wege zu räumen. 
Die Thätigkeit des Theodoros in Sparta, und umgekehrt die des Eupa- 
linos in Samos weist uns auf einen lebhaften Verkehr zwischen der klein- 326 
asiatischen Küste und dem eigentlichen Griechenlande auch auf dem Gebiete 
der Kunst hin. Doch erstreckt sich diese keineswegs so weit, dass etwa die 
kleinasiatischen Kunstformen sofort in Griechenland Eingang gefunden hätten. 
Das Heraeon und der ephesiche Tempel waren im ionischen Styl gebaut, die 
berühmtesten Werke dieser Periode in Griechenland sind dorisch. Am ge- 
waltigsten tritt unter ihnen die Anlage des Zeustempels zu Athen hervor, an 
welcher vier Architekten, Antistates, Kallaeschros, Antimachides und 
Porinos thätig waren. Leider ward ihr Werk durch den Sturz der Pisi- 
Stratiden unterbrochen. Den Zerstörungen der Perserkriege ist es wahrschein- 
lich zuzuschreiben, dass wir über andere athenische Bauten der älteren Zeit 
ohne Nachricht geblieben sind. Wie aber überhaupt die Uebermacht Athens 
jetzt noch nicht wie später hervortritt, so herrscht sein Einfluss auch noch nicht 
in der Architektur. Der Bau des Tempels zu Delphi zur Zeit der Pisistratiden 
ward, obwohl seine Leitung von dem athenischen Geschlechte der Alkmäoniden
        

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