Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201754
Architekten. 
haupt kommt in allen diesen Erzählungen von Erfindungen und bestimmten 
Werken die ästhetische Seite der Architektur noch nirgends in Betracht, son- 
dern es handelt sich zunttchst nur um constructive Fortschritte. Ist aber da- 
durch ihr Werth für die Geschichte der Architektur schon an sich ein bedingter, 
so wird er es noch mehr dadurch, dass selbst die Sage hier nirgends danach 
gestrebt hat, uns eine bestimmte Entwickelung vor Augen zu stellen; ja noch 
mehr, sie bietet uns nirgends eine Vermittelung zwischen der mythischen Zeit 
und der Zeit historischer Kunde. Aus dieser Uebergangsperiode stammen aller- 
dings mancherlei Nachrichten, namentlich über Tempelgründungen: allein nicht 
die Architekten, sondern die Gründer werden uns genannt. Bei diesen Bauten, 
welchen ein Streben nach Ausbildung künstlerischer Formen noch fern lag, 
mochte das Verhältniss noch wenig anders sein, als in der homerischen XVelt, 
wo Odysseus mit eigener Hand sein Schlafgemach errichtet, wo überhaupt jeder, 
so weit es das praktische Bedürfniss erheischte, sein eigener Baumeister war. 
Auf solche Zustände können unsere Erörterungen, welche die Person des Archi- 
tekten in den Vordergrund zu stellen haben, begreiflicher Weise nicht ein- 
gehen; und wir müssen daher unseren Blick sofort auf die uns historisch be- 
324 kannte Epoche richten, von da an, wo an die Stelle poetischer Ueberlieferung 
die Aufzeichnung bestimmter Thatsachen trat. Es ist dies dieselbe Zeit, welche 
ich früher (Th. I, S. 41) als einen Wendepunkt im Geistesleben der Griechen 
überhaupt bezeichnet habe, und in welche daher die Anfänge einer Reihe von 
Entwickelungen auf den verschiedensten Gebieten des staatlichen, socialen, 
wissenschaftlichen und künstlerischen Lebens fallen. 
Um das Jahr 600 v. Chr. G. erscheinen auf den Inseln und an der klein- 
asiatischen Küste die ersten namhaften Bildhauer; und zugleich zeigt sich auch 
auf dem Gebiete der Architektur neues Leben; ja, was besonders hervorzuheben 
ist, jene Bildhauer sind zugleich Architekten und die Leiter staunenswerther 
Bauten. Rho eko s ist der erste Architekt des Heraeon zu Samos; Th eo d oros, 
sein Genosse in der Erfindung des Erzgusses, scheint ihm auch hier zur Seite 
gestanden zu haben; wenigstens soll er über den Tempel geschrieben haben, 
und sein Ruhm als Architekt steht auch durch andere Zeugnisse fest. Um von 
dem lemnischen Labyrinth zu schweigen, welches nach einer nicht hinlänglich 
zuverlässigen Nachricht ihm nebst Rhoekos und Smilis beigelegt Wird, so 
spricht für die weite Verbreitung seines Ruhmes der Bau der Skias in Sparta. 
Er war es ferner, der durch seinen Rath die Gründung des ephesischen Tem- 
pels in sumpfigem Terrain möglich machte. Noch von einem andern Künstler 
derselben Zeit, von Bupalos aus Chios, wird uns berichtet, dass er zugleich 
als Bildhauer und als Architekt zu hohem Ansehen gelangte. Dass indessen 
diese Verbindung der beiden Künste keine nothwendige war, lehren Cher- 
siphron und sein Sohn Metagenes, welche damals in dem ephesischen 
Tempel eins der sieben Wunderwerke der alten Welt begründeten, lwenn sie 
es freilich auch nicht zu vollenden vermochten. Solche Bauten, wie der ephe- 
sische Tempel und das Heraeon zu Samos, sind allerdings keine Versuche, an 
welchen der eben erwachende Kunstsinn seine Kräfte zuerst erprobt: sie setzen 
bereits eine längere Uebung voraus. Dennoch aber bezeichnen sie nicht bloss 
einen Abschnitt in der Geschichte, sondern einen Anfangspunkt, insofern als
        

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