Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201736
Architekten. 
der Fall ist, von denen oft nur Copien auf uns gekommen sind. Was uns fehlt, 
das sind die Nachrichten über die Individualität, die künstlerische Eigenthüm- 
lichkeit dieser Meister, sowohl für sich betrachtet, als in ihrem Verhältniss zu 
Vorgängern, Zeitgenossen und Nachfolgern; und dieses Fehlen ist ein so durch- 
gängiges und allgemeines, dass es seine vollständige Erklärung erst durch das 
Zusammentreffen äusserer Umstände und der oben angedeuteten inneren Ver- 
hältnisse zu finden vermag. Diese letzteren aber haben ihre Wirkung noch bis 
auf den heutigen Tag nicht verloren: die neuere Wissenschaft hat in ihren 
Forschungen über alte Architektur ihr Augenmerk vorzugsweise und fast a.us- 
schliesslich dem systematischen Theile zugewendet. Sie hat nach den Gesetzen 
und Principien der verschiedenen Bauordnungen geforscht, unbekümmert um 
die Persönlichkeiten, welche dieselben zuerst festgestellt haben. Wenn nun 
aber die Untersuchung des historischen Entwickelungsganges die nothwendige 
Ergänzung hierzu bildet, so wird doch auch diese zuvörderst wieder von den 
Monumenten selbst auszugehen haben; und erst zuletzt, wenn die sachliche 
Ergründung zu einer gewissen Reife gediehen ist, wird es sich als Schluss- 
321 aufgabe herausstellen, in den einzelnen Werken auch das Walten der einzelnen 
Individualität nachzuweisen und nachdrücklicher hervorzuheben. 
Die Aufgabe, welche wir uns hinsichtlich der Architekten hier zu stellen 
haben, ist demnach eine wesentlich andere als diejenige, welche wir bei den 
Bildhauern und Malern verfolgt haben: sie kann ihrer Natur nach nur vor- 
bereitender Art sein, und beruht also zunächst darin, das Material zu sammeln 
und kritisch zu sichten. Bei diesem Beginnen ist es freilich nicht immer leicht, 
hinsichtlich des Aufzunehmenden eine bestimmte Grenze zu ziehen und dieselbe 
überall consequent einzuhalten. Die Nachricht über das YVerk hat, streng ge- 
nommen, allerdings auch eine Beziehung zu dem Urheber desselben. Allein 
häufig ist dieselbe durchaus indirecter Natur; und die Nachricht selbst hat zu- 
nächst nur Werth für die monumentale Forschung. Es muss daher im All- 
gemeinen an dem Grundsatz festgehalten werden, nur dasjenige der Betrachtung 
zu unterwerfen, was über die Persönlichkeit des Urhebers irgendwie ein näheres 
Licht zu verbreiten geeignet scheint. Die Anordnung dessen, was auf diesem 
Wege für einen Jeden gewonnen wird, kann aus praktischen Gründen nur eine 
äusserliche sein, nemlich die eines alphabetischen Verzeichnisses. Denn die 
Untersuchung muss sich überall noch zu sehr in Einzelnheiten zersplittern, als 
dass die historischen Resultate allgemeinerer Art, welche sich allerdings auch 
hierbei schon zuweilen ergeben, die Masse des Stoffes in der Weise zu durch- 
dringen und zu beleben vermochten, um als leitendes Prinzip für die Anordnung 
in den Vordergrund zu treten. Sollen sie überhaupt nicht unter der Masse des 
Details verschwinden, so müssen sie auch in der äussern Darstellung davon 
getrennt werden. Freilich kann dies nur in durchaus anspruchsloser Weise ge- 
schehen, indem sie einzig nach allgemeineren Grundsätzen übersichtlich geordnet 
werden, zunächst ohne Rücksicht darauf, ob sich eine solche Zusammenstellung 
später nach allen Seiten hin bewähren wird. Ohne Nutzen wird aber auch die 
Verfolgung eines in dieser Weise beschränkten Zieles nicht sein, indem die 
weitere monumentale Forschung um so mehr an Zuverlässigkeit gewinnen muss, 
je vielfältiger ihr Gelegenheit geboten wird, ihre eigenen Ergebnisse an That-
        

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