Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201699
Maler. 
einen wie niedrigen Begriff diese von der Würde des Künstlers hegten, und 
lässt uns von vorn herein annehmen, dass es mit der Würde der Kunst selbst 
kaum anders sein konnte. Man suchte alte, berühmte Werke, schätzte sie aber 
meistens gewiss noch mehr wegen ihrer Kostbarkeit, als wegen ihres inneren 
Werthes; was von neuen Werken begehrt wurde, hatte nur den Zweck, als 
Gegenstand des Luxus zum Schmuck und zur Zierde zu dienen. Das zeigt sich 
uns recht deutlich, wenn wir die einzige Erscheinung, welche als neu auf dem 
Gebiete der Malerei angeführt wird, die Erfindung des Ludius, in's Auge fassen. 
315 Man hat diesen Künstler wohl Erfinder der Landschaftsmalerei genannt; allein 
wenn dies richtig sein soll, werden wir uns wohl hüten müssen, diese Bezeich- 
nung nach unseren heutigen Begriffen zu verstehen. Die neuere Zeit hat die 
Landschaftsmalerei in einem Sinne ausgebildet, durch welchen diese Wohl be- 
rechtigt ist, eine höhere Geltung für sich in Anspruch zu nehmen. Sie schliesst 
die gemalte Landschaft zu der Einheit eines wirklichen Kunstwerkes zusammen, 
indem sie eine bestimmte poetische Idee, eine eigenthümliche Stimmung der 
iNatur oder den individuellen Charakter einer Gegend zur Anschauung bringt 
und das Walten eines höheren Geistes auch in der leblosen Natur uns ahnen 
lässt. Es ist hier nicht der Ort, auf "die Frage einzugehen, warum den Alten 
die eigentliche Landschaftsmalerei fremd geblieben ist. Aber bei Ludius handelt 
 es sich um blosse Prospectmalerei, welche nichts mehr als eine Erweiterung und 
neue Anwendung der Scenographie ist; es sollen grössere architektonische Räume 
in anmuthiger Weise geschmückt werden, und zwar, wie Plinius selbst scl1liess- 
lieh angiebt, mit möglichst geringem Kostenaufwande. Dazu eignen sich die 
leicht behandelten, hin und wieder durch eine Figur oder eine Gruppe belebten 
Prospecte weit mehr, als ügurenreiche Bilder.  Wenn es dabei auf einen tieferen 
Sinn durchaus nicht weiter abgesehen war, so möchten freilich, zwar nicht immer, 
aber doch häufig die gleichzeitigen Producte der höheren Gattungen der Malerei 
in dieser Hinsicht wenig voraus haben; wenigstens lehrt uns dies ein grosser 
Theil der herculanensischen und pompeianischen Wandgemälde, in denen selbst 
solche mythologische Scenen, welche einer höheren Auffassung sehr wohl fähig 
erscheinen, nicht etwas wegen dieses ihres poetischen Gehaltes, sondern 
offenbar nur wegen eines getälligen und anmuthigen künstlerischen Motives zur 
Darstellung gewählt sind. Dagegen hat freilich ein anderer Theil dieser Malereien 
für uns dadurch einen unschätzbaren Werth, dass sie trotz ihrer decorativen 
Behandlung als Nachbildungen älterer Werke unsere Kenntniss der früheren 
Zustände der Kunst vielfältig erweitern. Eine genauere Untersuchung und nament- 
lich die Ausscheidung des eigenthümlich Römischen mag allerdings auch über 
die Zustände der Kunst in dieser späteren Zeit uns noch manche Aufschlüsse 
315 zu geben im Stande sein; doch wird sich auch hier der Mangel schriftlicher 
Quellen vielfach bemerklich machen. Wie dem aber auch sei: über den Aus- 
bruch des Vesuv hinaus, der durch eine wunderbare Fügung des Schicksals 
jene Schätze der Nachwelt erhielt, und zugleich demjenigen, welchem wir die 
reichste Fülle schriftlicher Aufzeichnungen verdanken, dem Plinius, das Leben 
kostete, wird sich schwerlich die Geschichte der alten Malerei je im Zusammen- 
hange verfolgen lassen.  
        

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