Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201575
Maler. 
Begünstigung zu erfreuen hatte, als deren Hauptvertreter wir am Ende der 
vorigen Periode den vielseitigen Antiphilos keimen lernten. Sie suchte die 
lebendigen, bewegten Aeusserungen des Lebens in den verschiedensten Be- 
ziehungen, sei es in seiner rein materiellen Thätigkeit, sei es in geistiger oder 
affectvoller Erregung zu erfassen. Nach der einen Seite hin führt dies zu reiner 
Genrebildung, für deren Gedeihen einige Werke rhodischer Künstler, das Maler- 
atelier mit dem Feuer anblasenden Knaben von Philiskos, die Walkerwerkstatt, 
Quinquatrusfeier 1) von Simos, Zeugniss ablegen. Auf der anderen Seite erklärt 
sich daraus das Vorwiegen gewisser Arten von mythologischen IDai-stellungen. 
Man wählte Scenen, welche eine lebendige Entfaltung der Handlung zuliessen: 
die Befreiung der Andromeda oder des Prometheus, Herakles, der vom ötäischen 
Scheiterhaufen zum Olymp aufsteigt, des Herakles Streit mit Laomedon, Danae 
von Seeräubern bewundert; mit noch grösserer Vorliebe aber wandte man sich 
der Bearbeitung solcher Momente zu, die schon an sich bei dem Beschauer die 
lebhafteste Aufregung, Furcht und Entsetzen, hervorrufen mussten. Gemälde, 
wie die der Aerope, der Klytaemnestra, des Eteokles, Kapaneus, verdankten 
ihren Ruf gewiss der Gewalt des ihnen inwohnenden tragischen Pathos. Da- 
neben mochte allerdings auch die entgegengesetzte Kunstrichtung, welche weniger 
in der Handlung, als in einer vollendeten Durchführung ihr Verdienst suchte, 
298 ihre Verehrer finden. Eine Venus, ein Pan, eine Harfenspielerin, ein Mann mit 
einem oder zwei Bossen, Arat als Sieger mit einer Trophäe führen uns auf den 
Kreis von Ideen, in welchem früher Apelles und Protogenes sich bewegten. Das 
Glänzendste jedoch brachte diese Zeit auch nach dem Urtheile der Alten da 
hervor. wo die Vorzüge der bisher betrachteten verschiedenen Bestrebungen sich 
zu einer Einheit verschmolzen zeigen. Dies war in den Werken des Timomachos 
der Fall. Ohne zu den äusserlichen Effecten seine Zuflucht zu nehmen, welche 
die materielle Behandlung von Schreckenscenen in voller Ausführlichkeit dar- 
zubieten vermochte, verstand er es, durch die feinste Durchführung der psycho- 
logischen Motivirung, in seinem Aias und der Medea unter der Hülle einer schein- 
 baren äusseren Ruhe doch die tiefste innerste Erregung zur Anschauung zu 
bringen und den Beschauer die unwiderruflich nahende tragische Katastrophe 
ahnen zu lassen; oder in der Gorgo die schönsten Formen mit dem Ausdrucke 
der Erstarrung des Todes zu erfüllen. Solche Werke zeigen, dass auch in der 
Malerei die Kraft des Geistes, welche einen Laokoon zu schaffen vermochte, 
noch nicht erstorben war. Aber Timomachos steht vereinzelt da: seine Er- 
scheinung gleicht dem Lichte, welches vor dem Verlöschen noch einmal einen 
hellen, aber kurzen Glanz verbreitet, um uns die folgende Dunkelheit nur um 
so deutlicher empfinden zu lassen. 
Anhang, 
In der Geschichte der Bildhauer haben Wir diejenigen von Plinius an- 
geführten Namen, welche anderwärts keine Stelle ünden konnten, am Schlusse 
der Periode der Diadochen zusammengeordnet. Dieselben Gründe, welche uns 
1) Dass Beides 
nachträglich bemerke, 
in 
O. 
war, 
einem und demselben Bilde dargestellt 
Jahn, arch. Zeit. 1854, S. 191. 
vermuthet, 
ich 
wie
        

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