Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201569
Malerei 
Die 
Diad: 
Jchenperiode. 
199 
denselben Mangel zu beklagen hatten. Dieselben Gründe, welche dort wirkten, 
haben ihre Geltung auch hier. Sie beruhen darin, dass einer Seits bald nach 
Alexanders Tode die höchste Blüthe der Kunst bereits vorüber war, anderer 
Seits die Quellen unserer Nachrichten über die frühere Zeit meist auf die Schritt- 
steller der Diadochenperiode zurückgehen, welche auf ihre eigenen Zeitgenossen 
keine Rücksicht nahmen (vgl. Th. I, S. 352). Wir haben diese Umstände wegen 
der Maler vielleicht weniger zu bedauern, als wegen der Bildhauer. Denn während 
die Kunst der letzteren noch ein ganz neues Stadium zu durchlaufen hatte, 9 
scheint die Malerei nach Alexander die einmal eingeschlagenen Bahnen kaum 
noch verlassen zu haben. Sie war der Bildhauerei vorangegangen und hatte 
gerade die Elemente, welche diese noch später in sich aufzunehmen hatte, be- 
reits am Schlusse der vorigen Periode für ihre Zwecke verarbeitet. Die po- 
litischen Verhältnisse hatten sich nach diesem Zeitpunkte, wenn auch vielfach 
äusserlich, doch ihrem inneren Wesen nach nicht. geändert; Einzelnherrschaften 
und Republiken bestehen neben einander; und während die Bildhauerei wegen 
der materiellen Hülfsmitte], deren sie bedarf, ihre Wohnsitze zu verändern ge- 
zwungen ist, lässt sich bei der Malerei kaum ein merklicher Wechsel ihrer 
geographischen Verbreitung Wahrnehmen. Athen freilich tritt auch hier etwas 
in den Hintergrund; dagegen bewahren für Sikyon die alten begründeten Ver- 
hältnisse ihre Bedeutung. In Asien finden wir, wenn auch eben so wenig wie 
früher eine bestimmte Schule, doch einzelne Künstler; und nur in Rhodos scheint 
durch die Blüthe der Sculptur auch ein Mittelpunkt für eine ausgebreitetere 
Uebung- der Malerei entstanden zu sein. Was von anderwärts her, von Aegypten, 
Makedonien, berichtet wird, beschränkt sich auf vereinzelte Notizen. 
Ueber die Art der technischen Durchführung wird uns eigentlich nirgends 
ein Wink gegeben, wohl darum, weil sie durchaus dieselbe wie früher blieb. 
Dass die Erfindung oder weitere Ausbildung der Mosaik in diese Periode fällt, 
ist natürlich f'ür die weitere Entwickelung der eigentlichen Malerei zunächst 
Ohne Belang, da dieser neue Kunstzweig zunächst nur rein decorativen Zwecken 
diente. Auch 0b die wissenschaftlichen Studien, welche für die Sculptur um 
diese Zeit so hohe Bedeutung gewinnen, von Einfluss auf die Malerkunst sind, 
lässt sich nirgends nachweisen, ja im Hinblick auf eine bestimmte Erscheinung 
fast bezweifeln. Durch Gründlichkeit der Bildung behauptet nemlich auch jetzt 
die Schule von Sikyon einen unbestrittenen Vorrang; sie allein z. B. ist es, 
welche eigentlich historische Aufgaben, Darstellungen von Schlachten, noch mit 
glücklichem Erfolge zu lösen versteht. Ihre Tüchtigkeit ist indessen offenbar 
die Wirkung der sicheren Schultradition, nicht das Ergebniss von Studien nach 
ganz neuen Richtungen hin. Wenn sie nun trotzdem das Uebergewicht über  
alle andern bewahrte, so beweist dies zunächst freilich nur die Vortrefflichkeit 
ihrer Grundlagen, zugleich aber auch indirect den Mangel an Ernst und Strenge 
in den Bestrebungen ihrer Nebenbuhler. Leider sind wir ausser Stande, diese 
Behauptung noch weiter und im Einzelnen durchzuführen. Denn die Nach- 
richten über ihre Werke beschränken sich meist auf die blosse Angabe des 
Inhaltes ihrer Darstellung, ohne auf die Charakteristik der geistigen Auffassung 
irgendwie einzugehen. Im Allgemeinen scheint sich nur so viel aus ihnen zu er- 
geben, dass namentlich diejenige Richtung der Kunstübung sich einer besondern
        

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