Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201462
Malerei 
Die 
der 
Diadochenperiode. 
189 
hierin müssen wir noch bestärkt werden, wenn wir hören, dass zu Gicerds Zeit 
die Einwohner von Kyzikos zwei Bilder des Aias und der Medea als den Stolz 
ihrer Stadt betrachteten 1), in welchen wir unschwer die Werke des Timomachos 281 
wiedererkennen. Denn, wie Welcker bemerkt: „so häufig sind die Gemälde 
und Statuen nicht, die von den Kunstkennern des Alterthums als ein Höchstes 
an ihrem Ort oder in ihrer Art herausgestellt werden, dass sie sich in derselben 
dargestellten Person, sei es die eines Gottes oder eine heroische, begegnen 
Sollten: und hier ist es nicht ein einzelnes Werk, sondern ein Paar von Gegen- 
Stücken, vereinigt in Kyzikos, wie in Rom." Sollte aber selbst Plinius 2), wo 
61" erzählt, dass Agrippa von der Stadt Kyzikos einen Aias und eine Venus ge- 
kauft, aus Versehen eine Venus statt der Medea genannt haben, und sollten 
daher diese beiden Bilder mit den von Cicero genannten identisch sein, so 
wird dadurch in der vorliegenden Frage nichts Wesentliches geändert, indem 
ja Sehr wohl eine Wiederholung von der Hand des Timomachos selbst vor- 
handen sein konnte, welche Caesar kaufte. Auf keinen Fall werden wir das 
Verdienst der Zusammenstellung des Aias und der Medea dem Timomachos ab- 
Sprechen dürfen, und diese war bereits zu Cicerds Zeit berühmt. 
Damit ist allerdings scheinbar jeder Halt für eine Zeitbestimmung des 
Künstlers verschwunden: gewisse allgemeine Grenzen werden sich jedoch immer 
noch nachweisen lassen. Bei Cicero, Plinius, Quintilian, Lucian finden wir 
häufig mehrere Maler in Verbindung mit einander genannt, welche gewisser-  
Inaassen als Repräsentanten ihrer ganzen Kunst zu gelten haben. Sie wechseln 
bei den verschiedenen Schriftstellern, so dass die Reihe ihrer Namen keine 
ganz kurze ist; aber keiner der in dieselbe aufgenommenen Künstler ist jünger 
als Apelles und Protogenes oder der Zeit nach als Ol. 120. Wir haben hier 
also eine Art von Kanon, wie in der Litteratur, vor uns, welcher bald nach dem 
angegebenen Zeitpunkte sich festgestellt haben muss, was um so wahrschein- 
licher ist, als ja damals neben den übrigen wissenschaftlichen auch die kunst- 
geschichtlichen Studien blühten. In dieser kanonischen Reihe nun finden wir 
den Namen des Timomachos nirgends angeführt: nur einmal, wo die unvoll- 
endet gebliebenen Werke berühmter Künstler zusammengestellt werden, wird 
Timomachos neben Aristides, Nikomachos und Apelles erwähnt. Hieraus glaube 282 
16h den Schluss ziehen zu dürfen, dass er zur Zeit der Feststellung jenes Kanon 
nßch nicht gelebt hatte, und dass also, da er zu Gaesars Zeit schon lange den 
Todten angehörte, seine Blüthe in die eigentliche Diadochenperiode zu setzen ist. 
Die schönste Bestätigung gewinnt aber diese Zeitbestimmung durch die 
Betrachtung der künstlerischen Eigenthümlichkeit des Timomachos selbst, wie 
uns dieselbe aus seinen Werken entgegentritt. 
Wir haben am Schlusse der vorigen Periode darauf hingewiesen, wie sich 
nach und nach in der Malerei zwei Richtungen neben einander ausgebildet 
hatten. Die eine legte vorzugsweise Werth auf die künstlerische Durchführung, 
und beschränkte sich daher meist auf wenige Figuren in ruhiger Haltung, die 
mehr einen Gedanken, als eine Handlung aussprechen sollten. In der andern 
herrscht das Streben vor, durch eine lebendig bewegte Handlung das Interesse 
Verr. 
135.
        

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