Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201450
M aler. 
Künstlers beziehen zu müssen glaubte, worin ihm allerdings schon Ausonius 
in seiner freien Nachbildung bestimmt vorangegangen ist 1); schon die Ver- 
ewigung der Mordgedanken scheint dem Dichter barbarisch, und er nennt 
die Medea Kindermörderin auch vor der That, da diese doch sicher bevorstehe 
und man auch in dem Gemälde das Unmaass der Leidenschaft spüre.  In 
ähnlicher Weise wie bei der Medea scheint dem darüber erhaltenen Epigramnie 
zufolge auch bei der Iphigenie der Kampf zwischen den Gefühlen der priester- 
lichen, wenn auch noch so verhassten Pflicht, und der Ahnung, dass ihr als 
Schlachtopfer der eigene Bruder gegenüberstehe, das Grundmotiv der Dar- 
stellung abgegeben zu haben. Welchen der zahlreichen verwandten Momente 
aus der Sage des Orestes Timomachos für seine Darstellung desselben gewählt 
habe, sind wir leider zu bestimmen ausser Stande. Dass bei der Gorgo die 
hohe Vortrefflichkeit auf den entsetzlichen Gontrasten zwischen der Schönheit 
der Bildung und der Furchtbarkeit des Ausdrucks beruht haben wird, dürfen 
wir wohl auch ohne ein bestätigendes Zeugniss annehmen.  Unter den noch 
übrigen Werken fällt wegen der eigenthümlichen Benennung Lekythion auf. 
280 Zwar kennen wir Aryxväiwv als Sklavennamen aus Lucian 2), aber durch des 
Plinius Zusatz agilitatis exercitator werden wir auf die eigentliche Bedeutung 
des Namens geführt. War nun etwa Lekythion, „Oelfläschchen", der wirkliche 
Name eines Lehrers der Athletik? oder der Beiname eines solchen, der durch 
seine Lehre die Glieder der Athleten schmeidigte gleich dem Inhalte des Salben- 
 gefässes? oder ging der Eifer der Griechen; Alles zu personiticiren, so weit, 
dass sie aus dem Geräthe der Athletik einen Athleten schufen, an welchem die 
Wirkung der ersteren gewissermaassen verkörpert erschien? 
Wichtiger als die Lösung dieser Schwierigkeit ist die Frage nach der 
Zeit des Künstlers. Plinius sagt: Timomachos malte zur Zeit Caesars. Ich 
muss diese Angabe für durchaus irrthümlich halten und freue mich, in dieser 
Ansicht mit Welckerß) zusammengetroffen zu sein. Ueberblicken wir alles, 
was wir aus Caesar's Zeit nicht nur über die Malerei, sondern über den Zu- 
stand der Kunst im Allgemeinen wissen, so werden wir nichts finden, was sich 
 an Bedeutung dem Timomachos zur Seite stellen liesse: nirgends begegnen wir 
einem Künstler, welcher durch eigenen Geist und durch eigene Erfindung etwas 
so Gewaltiges und namentlich etwas so Selbständiges geleistet hätte, wie die 
Gemälde des Timomachos nach den ihnen gespendeten Lobsprüchen gewesen 
sein müssen. Hierzu gesellen sich aber noch mancherlei Bedenken mehr äusser- 
Iicher Art. Caesar bezahlte für den Aias und die Medea achtzig Talente. Hätte 
nun der Künstler auf Bestellung des Gaesar gearbeitet, würde da der Preis in 
Talenten und nicht vielmehr in Sestertien festgesetzt worden sein? Ausserdem 
bezahlte Caesar die Summe für zwei Bilder, von denen das eine nicht einmal 
vollendet war; offenbar war also damals der Künstler nicht mehr am Leben. 
Alle diese Schwierigkeiten fallen weg, sobald wir annehmen, dass Plinius durch 
einen Irrthum die Zeit des Kaufes mit der des Künstlers verwechselt hat. Und 
1) eP 
fugit. 32. 
130, wo am Schlusse die Verse hinzugefügt werdfzn: 
Laudo Timolnachuln, matreln quod p1nx1t m ense 
Cunctantenu, prolis sanguine ne maculet. 
3) K1. Sehr. III, 457.
        

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