Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201446
Die 
der Diadochenperiode. 
Malerei 
187 
Aias nach der Ermordung der Heerden nicht gerade zu widerstreiten. Denn 
ist auch da der Zorn bereits der Reue und Schaam gewichen, so ist doch jener 
Zorn der Grundzug im Wesen des Aias, aus dem sich sein ganzes trauriges 
Geschick entwickelt, und als solcher musste er auch, selbst als er schon ge- 278 
brechen, noch durch jede andere Stimmung durchleuchten. Wenn wir demnach 
dem Zeugnisse des Philostratus als eines Gewährsmannes, der ja auch sonst 
mit Kunstwerken sich vielfältig beschäftigt hat, ein höheres Gewicht beilegen, 
S0 müssen wir allerdings den leitenden Gedanken des Künstlers bei der Ver- 
bindung des Aias niit der Medea nicht darin suchen, dass er beide in durchaus 
gleicher Situation darstellen wollte, sondern vielmehr darin. dass er jene Wuth, 
Welche nicht selten bei den Alten als durch die besondere Einwirkung von Dä- 
monen, wie Oistros und Lyssa, hervorgerufen erscheint, in dem einen Bilde vor 
dem Eintritt der Katastrophe, in dem anderen schon in ihren Consequenzen 
zeigte, nach einem Princip der Gompostion, welches auch sonst vielfältig bei 
der Auswahl zusammengehöriger Werke in Anwendung gekommen ist.  Hin- 
sichtlich der Medea ist wenigstens so viel sicher, dass für ihre Darstellung der 
Moment vor der That gewählt war, wo sie zwar das Schwert schon in der Hand 
hält, aber noch unschlüssig erscheint, ob sie den Mord an ihren eigenen Kin- 
dern vollziehen soll, indem der Zorn über Jason und das Mitleid mit den Kin- 
dern noch mit einander kämpfen. Das lehren uns namentlich die Epigramme; 
und wir vermögen danach auch die Figur der Medea in einem Wandgemälde 1) 
als der Auffassung des Timomachos entsprechend nachzuweisen. Nicht so be- 
stimmt lässt sich darüber urtheilen, ob auch die Kinder neben der Mutter in 
dem Bilde angebracht waren. Da sie sich indessen auf den von Lucian 2) und 
Lucilius 3) erwähnten Gemälden Enden, wo wir dem Zusammenhange nach eine 
Beziehung auf das Werk des Timomachos als die berühmteste Darstellung 
dieses Gegenstandes nicht wohl abweisen können, so ist es mindestens sehr 
Wahrscheinlich, dass auch Timomachos den Kontrast mit den in naivster Un- 
Schuld spielenden Kindern benutzt habe, um das Vorhaben der Medea in um 
S0 grellerem Lichte erscheinen zu lassen 4). Wie dem aber auch sei, so war 
in dem Gemälde das Grässliche der That selbst durchaus vermieden; und es 279 
erklärt sich daher nur aus einer moralischen, nicht künstlerischen Betrachtung-s- 
Weise, wenn Plutarch 5) dem 'l'imomachos aus der Wahl des Gegenstandes einen 
Vorwurf macht. In diesem Sinne glaube ich auch das Epigramm des Phi- 
lippus Ü) auffassen zu müssen, welches Lessing 7) auf die Medea eines andern 
 1) Mus. Borb. X, 21. 2) de clomo c. 31. 3) Aet-na v. 594. 4) Hinsichtlich des Lu- 
cihus hegt Welcker (a. a. O. S. 455) einigen Zweifel, indem ja des 'l'i1non1achos NIedea 
sich zu Rom befunden habe, Lucilius sie aber unter Dingen anfiihre, deren wegen von dem 
Liebhaber wohl Reisen über Land und Meer unternommen würden. Dass übGl'd8l'.Di0l1tEl' 
VOR seiner Aufzählung die in Rom zuszunmengehänften Schätze keineswegs aussehliesseu 
Will, lehrt z. B. die zugleich erwähnte Anadyomene des ApelleS, Welche ja ebenfalls in Rom 
aufgestellt war. 5) de aml. poet. p. 18 A.  ,  
G) Tfg 0'011, Kolgi; ziZU-equs, (Ivväyglcrpäv aizuw U-vAuov; 
11'; zul 511 eföußlq) flrigßrzgov {fQyrZünc-ro; 
(Zeh Iyzizg (Tnpgi; ßgeqäanl rpivov. ü n; lTrlüunl 
(Yeüregog,  Tlullzq; 11'; 2mm 60k ngöqrrung;  
3996 zul 511 zryylß, nauloznive  m51: yäQ (Äuärgwv 
Crllw-u ü; Ä llälea; zu), ygarlvi; ufrifi-averao. 
Für aig {Ä 05km; conjicirt Jacobs Äumiuläog. 7) Lack. Kap. 3.
        

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