Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201430
Die Maler. 
Plinius über ihn berichtet 1): „Timomachos aus Byzanz, zur Zeit Caesars des 
Dictators, malte den Aias und die Medea, welche von diesem für achtzig Ta- 
lente angekauft und im Tempel der Venus Genetrix aufgestellt wurden. Das 
attische Talent berechnet Varro auf G000 Dcnare. Als YVerke des Timomachos 
werden nicht minder gelobt: Orestes; Iphigenia in Tauris; Lekythion, der Lehrer 
der Behendigkeit (agilitatis exercitator); eine Familie von Edlen (cognatio no- 
biliuni); Männer im Mantel, welche er Wie im Begriffe zu reden, den einen 
stehend, den andern sitzend malte; vorzüglich aber schien ihm die Kunst bei 
seiner Gorgo günstig gewesen zu sein."  Andere Werke werden nirgmitls ge- 
nannt; wohl aber geschieht einiger der angeführten auch anderwärts Erwähnung- 
So giebt Plinius selbst 2) an, dass die Medea unvollendet geblieben sei, aber 
darum gleich ähnlichen Werken des Aristides, Nikomachos, Apelles nur um so 
mehr geschätzt werde. Des Preises der Medea und des Aias gedenkt er noch- 
mals 3); und an einer andern Stelle 4) spricht er von ihrer Aufstellung vor dem 
Tempel der Venus, so dass sie sich also in einer der ihn umgebenden Hallen 
befinden mochten. Wegen der Verbindung des Aias und der Medea müssen 
wir auf beide Gemälde auch eine Erwähnung bei Ovid 5') beziehen: 
Utque sedet vultu fassus Telamonius iram, 
Inque oculis facinus barbara mater habet: 
denn dass sie in die Paläste des Augustus versetzt werden, ist wohl nur ein 
Gedächtnissfehler des Dichters. Des Aias gedenkt Philostratus ü), der Medea 
Plutarch 7). Besonders aber haben sich die Epigrammendichter dieser Bilder 
als eines passenden Stoffes bemächtigt: wir besitzen noch jetzt auf den Aias 
eines, auf die Medea eine ganze Reihe dieser kurzen Gedichte S). Eines end- 
lichn) schildert, freilich ohne den Namen des Künstlers zu nennen, das Gemälde 
der lphigenie. 
Ueber das Einzelne der Darstellungen geben uns alle die angeführten 
Quellen leider nur sehr ungenügende Auskunft. Ja hinsichtlich des Aias haben 
sie sogar zu einer verschiedenen Auffassung des Grundgedankens bei den Neueren 
Veranlassung gegeben. Während man nemlich im Hinblick auf Philostratus- 
und das Epigramm an Aias dachte, wie er nach seiner Raserei und der Er- 
mordung der Heerden auf den Anschlag sinnt, sich selbst umzubringen, will 
Welcker 10) unter Betonung des „vultu fassus iram" bei Ovid nicht den rasen- 
den, sondern den gekränkten und darum seinen Tod beschliessenden Helden 
erkennen. Doch scheint es mir fraglich, ob wir auf diese "Worte einen so grossen 
Werth legen dürfen. Ovid scheint sich überhaupt wenig um Kunstwerke ge- 
kümmert zu haben 11). Hier schreibt er noch dazu in der Verbannung aus blosser" 
Erinnerung; und wie er in der Bezeichnung des Ortes irrte, so mochte auch 
das Bild selbst nicht mehr in allen Einzelnheiten ihm vor Augen stehen. End- 
lich aber scheint mir auch der Ausdruck vultu fassus iram der Situation des 
1) 35, 136. 2) 35, 145. 3) 7, 126. 4) 35, 26. 5) Trist. II, 525. 6) Vit. Apollon. 
II, 22. 7) de aud. poet. p. 18 A; vgl. Luciarl de (Iomo c. 31 und Lucilius Aetna v. 594. 
3) Auf (Ien Aias: Anall. III, 213, n. 295; auf die Medea: Anall. II. 174, n. 20 von Anti- 
philus (nachgeahmt von Ausonius 129): II, 499, n. 29 von Juliau dem Aegypter; II, 223, 
n. 42 von Philippus (bei Ausonius 130); III, 214, n. 299, 300 und 301 von unbekannten 
Dichtern. 9) III. 216, n. 306. 10) K1. Sehr. III, 4-50 fg. 11) vgl. Friedländer, über d. Kunst- 
sinn d. Römer, S. 9.
        

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