Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201421
Malerei 
Die 
Diadochenperiode. 
185 
Wärtigen, sondern in dem Bilde soll sich ein bestimmter Gedanke aussprechen, 275 
der uns über die sinnliche Erscheinung hinausführt. Man möchte daher ver- 
sucht sein, als das Wesen dieser Künstler im Gegensatze zu dem Realismus 
der übrigen den Idealismus zu bezeichnen. Aber wenn wir uns erinnern, dass 
Wir bei aller sonstigen Vortrefflichkeit gerade ihnen geistige Tiefe und ein 
hohes poetisches Schöpfungsvermögen am wenigsten zuzuerkennen vermochten, 
so werden wir ein Mistrauen gegen die Richtigkeit dieses Ausdrucks nicht 
unterdrücken können. Allerdings lag wohl den Bestrebungen dieser Männer 
die Absicht zu Grunde, die Kunst wieder auf idealere Bahnen zurückzuführen. 
Sie mochten erkennen, wie der Realismus dem tieferen geistigen Gehalte Ab- 
bruch that, wie ein stets wachsendes Streben nach Effect dem Ernste der Auf- 
fassung nicht minder wie der Solidität der Durchführung Gefahr zu bringen 
drohte. Allein wenn sie auch durch die eifrigsten Studien und durch die gründ- 
lichste Durchbildung bis zumihöchsten Gipfel technischer Vollendung zu ge- 
langen vermochten, so waren sie doch nicht im Stande, sich auf diesem Wege 
jene Unbefangenheit und Unmittelbarkeit zu erwerben, welche vor allem nöthig 
ist, um in der XVelt der Erscheinungen eine künstlerische Idee klar und scharf 
zu erfassen und ihr aus ihrem innersten Wesen heraus eine lebenvolle Ge- 
staltung zu verleihen. Jene Innerlichkeit war eben damals nicht blos aus der 
Kunst, sondern aus dem Leben verschwunden: und was man an ihre Stelle zu 
Setzen versuchte, war, wenn freilich auch nicht ein Aeusserliches, doch etwas 
von aussen herzu Gebrachtes: es war der bewusste Gedanke, der nie seinen 
Stoff so durchdringen und durchwärmen, nie so mit ihm zur Einheit verwachsen 
Wird, wie die, gleich dem Keime im Saatkorn, im Innern des Stoffes selbst 
ruhende Idee. S0 sehr also auch Apelles und Protogenes im Gegensatze mit 
den von uns kurzweg als Realisten bezeichneten Künstlern zu stehen scheinen 
und wirklich stehen, so wurzeln sie doch immer mit diesen in dem einen ge- 
meinsamen Boden des Zeitgeistes; und erst durch das gleichzeitige Bestehen 
beider Richtungen ward es möglich, alle die verschiedenen Forderungen zu be- 
friedigen, welche eine so vielfach erregte Zeit, wie die von dem Ende des pelo- 
ponnesischen Krieges bis zu den ersten Nachfolgern Alexanders nothwendig auch 276 
an die Kunst stellen musste. 
Fünfter 
Abschnitt. 
Die 
Malerei 
der 
Diadochenperiode. 
Tinxolnachos. 
Tirnoinachos ist die letzte bedeutend hervorragende Persönlichkeit in der 
Geschichte der griechischen Malerei. Sie verdient daher an die Spitze der ganzen 
Diadochenperiode gestellt zu werden: denn eine chronologische Angabe des 
Plinius, welche gegen diese Anordnung zu sprechen scheint, wird später ohne 
Schwierigkeit als unhaltbar nachgewiesen werden.  Hören wir zunächst, was
        

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