Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201406
vom Ende des peloponn. 
Maler 
Die 
Krieges bis zum Tode 
Alexanders d. 
183 
solchem Rechte wie jene der Klasse mythologischer oder historischer Bildwerke 272 
zuzutheilen. Es genügt hier des Beispiels halber an des Aristides verwundete 
Mutter mit dem Kinde, an seine Jäger, an Pausias Stieropfer zu erinnern, um 
klar zu machen, wie wenig auf solche Darstellungen die Bezeichnung von Genre- 
bildern passen würde. Daneben freilich erhält auch die Genremalerei, nament- 
lich gegen das Ende dieser Periode, immer mehr Ausdehnung und versucht 
ihre Kräfte an Gegenständen, welche bisher der Kunst fern lagen. So erwirbt 
Pausias sich Ruhm durch das Malen von Kindern und von Blumen; Antiphilos 
weiss der Betrachtung einer rein gewerhsmässigen Thätigkeit, wie die Wolle- 
bereitung ist, künstlerische Motive abzugewinnen; einesbesonderen Rufes fängt 
ferner die Kleinmalerei und Rhopographie sich zu erfreuen an, und endlich er- 
hebt sich auch die Karikatur in den Grylli zu einer besonderen Gattung. Die 
rechte Blüthe dieser verschiedenen Arten von Genremalerei mag sich freilich 
erst während der eigentlichen Diadochenperiode entwickelt haben; doch zeigt sie 
sich auch in der Zeit vorher schon so weit begründet. dass man sie wenigstens 
ihrem Ursprünge nach durchaus als ein Kind dieser Periode ansehen darf. Ja 
sie stellt sich sogar als eine nothwendige Ergänzung, als ein Abschluss aller 
der mannigfaltigen Bestrebungen derselben dar, sobald wir diese auf ihre inneren 
Gründe zurückführen und unter den Gesichtspunkt der Einheit des darin wal- 
tenden Geistes zu bringen suchen. 
Wenn wir aber auf eine solche Einheit als nothrvendig vorhanden hin- 
weisen, so gehen wir dabei keineswegs von einer willkürlichen Voraussetzung 
aus; vielmehr folgen wir nur einem Principe, welches bei Untersuchungen über 
griechisches Leben nie vernachlässigt werden darf. Und was nun speciell die 
Malerei anlangt, so haben wir um so weniger Grund an seiner Geltung für die- 
selbe zu zweifeln, als es sich auf dem Gebiete der Schwesterkunst, der Bild- 
hauerei, durchaus bewährt hat. Ja bei genauerer Betrachtung wird es sich 
zeigen, dass, was wir dort gefunden haben, hier in ausgedehntem Maasse und 
nur unter den durch die besondere Kunstgattung bedingten Modificationen An- 
wendung findet. Vor Allem wiesen wir dort 1) mit Nachdruck darauf hin, dass 273 
der peloponnesische Krieg den Geist des gesammten Griechenlands in seinen 
innersten Tiefen umgewandelt hatte. Die mit Mässigung gepaarte energische 
Thatkraft war überall einer leidenschaftlichen Erregtheit oder deren Gegentheil, 
der Passivität oder Erschlaffung gewichen. Das Leben der Seele, des Gefühls, 
oder gar die blosse Sinnlichkeit hatten die Herrschaft über den Geist errungen.  
So begann man naturgemass auch in der Kunst die Aufmerksamkeit immer 
mehr von dem inneren, gleichmässig dauernden Wesen der Dinge ab und auf 
die mannigfach wechselnden Aeusserungen desselben, auf die Stimmungen und 
Leidenschaften hinzulenken; namentlich aber musste in der Malerei, welche 
noch weit mehr als die Bildhauerei durch den Schein zu wirken angewiesen 
ist, sich diese neue Richtung der Zeit schnell bemerklich machen. Daher ist 
Sie denn schon bei Zeuxis und Parrhasios zu voller Herrschaft gelangt; und 
Was die auf sie folgende Periode bietet, ist nur die weitere und umfassendere 
Entwickelung der neu gewonnenen Grundlage. So War durch Parrhasios der
        

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