Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201352
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Maler. 
druckt Xoryoroypaqzia: die Solidität und Tüchtigkeit der Durchführung ist es, 
welche ihren Werken den Beifall weniger des grossen Haufens, um so mehr 
aber der eigentlichen Kenner sicherte. Gerade derselben Erscheinung begegnen 
wir in der Schule des Polyklet; und wir dürfen uns daher um so weniger wun- 
dern, wenn auch die Stellung der sikyonischen Maler zu der gesammten übrigen 
Entwickelung ihrer Kunst eine durchaus analoge ist. Wir erkannten eins der 
wesentlichsten Verdienste des Polyklet in der bewahrenden Kraft, welche seiner 
Lehre inne wohnte; ja wir schrieben es hauptsächlich seinem Einflüsse zu, dass 
sich die griechische Kunst so lange von XVillkür und Ausschweifungen rein er- 
hielt 1). Aehnlich war es auch in der Malerei die Schule von Sikyon, welche 
allein, wie Plutarch sagt, das Schöne unverdorben bewahrte, und, wie uns das 
Beispiel des Apelles lehrt, ihren Einfluss auch weit über die Grenzen von Si- 
kyon hinaus verbreitete, ja bis "auf die gesammten Bildungsverhältnisse erstreckte, 
indem sie zeigte, dass bei der allgemeinen Erziehung des Geistes auch der Kunst 
eine selbstständige Stelle gebühre. 
3 Wie aber Polyklet und seine Schule durch die genannten Eigenschaften 
zu den attischen Bildhauern in einen bestimmten Gegensatz tritt, so nehmen 
wir ein gleiches Verhältniss auch zwischen den sikyonischen und den thebanisch- 
attischen Malern wahr. Die Letzteren sind durchaus die geistig und poetisch 
erregteren und beweglicheren. In der räxvry stehen sie den Sikyoniern nach; 
Aristides z. B. ist hart in den Farben, Euphranor erfreut sich in den Pro- 
portionen keineswegs allgemeiner Anerkennung. Dagegen aber erschliessen sie 
der Kunst immer neue Gebiete, indem sie die ganze Fülle des menschlichen 
Gemüthslebens, die verschiedensten sowohl zarteren, als leidenschaftlicheren 
Erregungen der menschlichen Seele zur Darstellung zu bringen unternehmen, 
gerade wie in der Bildhauerei Skopas und Praxiteles. Hierdurch tritt es in das 
klarste Licht, weshalb schon die Alten von dieser Periode an die Malerei im 
eigentlichen Griechenland in zwei Schulen scheiden und sta.tt der einen hel- 
ladischen jetzt eine attische und sikyonische annehmen. Denn in der That, 
wenn wir namentlich auf die Principien blicken, von welchen jede derselben 
ausging, so haben sie nicht nur nichts mit einander gemein, sondern stehen in 
dem schärfsten Gegensatze. 
Diese bestimmte Scheidung bei den Alten verdient um so mehr unsere 
Beachtung, als früher nur die helladische und asiatische Malerei als ihrem Wesen 
nach verschieden einander gegenübergestellt wurden. Und für die ältere Zeit 
erscheint diese Gegenüberstellung auch vollkommen gerechtfertigt, wenn wir 
das Verhältniss des Polygnot und der Attiker zu Zeuxis und Parrhasios ins 
Auge fassen; dagegen musste sie bedeutungslos werden, sobald die neuere 
Malerei wegen ihrer unbedingt vollendeteren Technik sich überall Eingang ver- 
schafft hatte. Hiermit hatten die Kleinasiaten zunächst ihre Aufgabe erfüllt; 
sie treten vorläufig wieder in den Hintergrund und tiberlassen es den Griechen 
des Mutterlandes, die neu gewonnenen Grundlagen nach den mannigfaltigsten 
Richtungen hin auszubilden. Erst als hier die oben dargelegte strenge Schei- 
dung bereits vor sich gegangen war, erheben sich auch die Kleinasiaten wieder
        

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