Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201338
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Die Maler. 
Gnathon, 
ein thasischer Maler, wird von Hippokrates (Epidem. I, 2, p. 4-06 
wähnt, gehört also dem Anfange dieser Periode, wenn nicht etwa 
der vorigen an. 
Kuhn) er- 
dem Ende 
Rückblick. 
Bei dem Rückblicke auf die Zeit des Zeuxis und Parrhasios glaubten wir 
einer Rechtfertigung dafür zu bedürfen, dass wir einen so kurzen Abschnitt als 
eine abgeschlossene Periode der griechischen Malerei hinstellten. Am Ende der 
jetzt durchmessenen Periode angelangt möchten wir uns eher gegen den ent- 
gegengesetzten Vorwurf zu vertheidigen haben. Zwar ist auch sie der Zeit 
nach keineswegs zu weit ausgedehnt, indem alle einigermassen wichtigen und 
bedeutenden Erscheinungen etwa zwischen die lOOste und 120ste Olympiade 
fallen und höchstens auf der einen Seite die ersten Anregungen, auf der andern 
262 die Nachklänge der ganzen Entwickelung ausserhalb dieser Grenzen liegen. 
 Aber innerhalb dieser Zeit drängt sich so vieles und so verschiedenartiges zu- 
sammen, dass man wohl fragen darf, ob_ sich dies alles unter einem gemein- 
samen Gesichtspunkte vereinigen lässt, wie er zur Abgrenzung einer Periode 
nothwendig ist. Dazu kommt, dass die Gliederung des Stoffes, die sich uns 
ganz ungesucht ergeben hat, eine Theilung zu begünstigen scheint. Denn wenn 
unleugbar die beiden Schulen der Malerei, welche hier voran stehen, die si- 
kyonische und die thebanisch-attische, sich uns als in nebeneinander laufender 
Entwickelung zu einem gemeinsamen Endziel ansteigend darstellen, während 
dieses Ziel in den Leistungen des Apelles, Protogenes und der neben ihnen 
stehenden Künstler sich als erreicht betrachten lasst, so gewinnt es danach auf 
den ersten Blick das Aussehen, als 0b am naturgemässesten die Epoche des 
Ansteigens .zu der Höhe von der schliesslichen Entwickelung und Entfaltung" 
der Vollendung auf derselben sich scheide. Allein schon für eine ganz äusser- 
liche Betrachtung ist eine solche Scheidung nicht durchzuführen, da diese beiden 
Schulen jene höchste Entwickelung nicht blos vorbereiten, sondern selbst an 
ihr Theil nehmen. Ihre glänzendsten Vertreter sind nicht sowohl Vorgänger 
und Vorläufer des Apelles, als dass sie selbständig neben ihm stehen; ja die 
letzte Entwickelung jener Schulen reicht sogar über die Zeit des Apelles noch 
hinaus. Eine Theilung der vorliegenden Periode würde uns also zwingen, die- 
Einheit der Schulen gewaltsam zu zerreissen. 
Um nun aber die verschiedenartigen Erscheinungen derselben unter einem 
einheitlichen Gesichtspunkte zusammenzufassen, werden wir damit beginnen, 
an die Bedeutung der vorigen Periode nochmals mit kurzen YVorten zu erinnern. 
Diese beruht auf dem Gegensatz, in welchen durch Apollodor und die Klein- 
asiaten die neuere Malerei zu der altern des Polygnot tritt. Es ist hier ein 
durchaus neues Princip, welches sich Geltung zu verschaffen sucht; ein Princip, 
welches sich nicht nur auf eine einzelne Seite, sondern auf die gesammte Kunst- 
übung erstreckte und dieselbe von Grund aus umgestalten musste. Getragen 
wird es von mehreren bedeutenden Künstlern, die hier in verschiedenem Sinne 
263 thätig sind. Allein so hoch wir auch ihre Leistungen anschlagen mögen, so
        

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