Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201282
Die Maler vom Ende des peloponn. Krieges bis zum Tode Alexanders d. 
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Wahl der Stoffe, in der Gliederung" der Handlung, in der Schilderung von Zu- 
standen des Geistes und Gemüthes entziehen können? Bei Theon dagegen 
äussert sich der Einfluss der scenischen Darstellung als solcher: er übertrug in 
seine Kunst den Bühneneffect, wie er denn ja seinen gemalten Krieger mit 
dem lebendigen Trompeter eine vollständige Theaterscene aufführen liess. Wir 
wissen nicht, in welchem Verhältnisse bei Theon die Durchführung im Einzelnen 
zur Erfindung des Ganzen stand. Im Allgemeinen wird jedenfalls zugegeben 
werden, dass solche Effecte bestehen können ohne eine vollendete Durchbildung 
in Hinsicht auf Technik sowohl, als auf die feineren geistigen Bezüge, ja noch 
mehr, dass solche Effecte häufig sogar zu einer Vernachlässigung derselben 
führen. Hieraus aber ergiebt sich der Standpunkt für die KVürdigung des Theon: 
derjenigen künstlerischen Richtung gegenüber, Welche zu einseitig auf die for- 
melle Durchbildung den höchsten oder ausschliesslichen Werth legte, einer Rich- 
tung, Welcher in gewissem Sinne selbst Apelles und Protogenes angehören, er- 
scheint das Bestreben des Theon, vor allem durch Leben und Bewegung, durch 
Handlung die geistigen Kräfte des Beschauers in Spannung zu setzen, als ein 
Verdienst. Erwägen wir dagegen, dass das höchste Ziel der Kunst nur in einer 
harmonischen Verschmelzung dieser beiden entgegengesetzten Richtungen liegen 
kann, so muss auch wiederum ein zu schroffes Hervorheben der letzteren, zumal 
Wenn sie mehr aussere Wirkung, als innere Tiefe bezweckt, der Kunst zum 
Nachtheil gereichen. Wir wissen, wie gesagt, nicht, bis zu welchem Punkte 
beide Richtungen in den Werken des Theon vermittelt erschienen; doch konnten 
wir nicht umhin, darauf aufmerksam zu machen, dass in seiner stark hervor- 
tretenden Eigenthümlichkeit Keime zum Guten sowohl, wie zum Schlimmen für 
die fernere Entwickelung der Kunst enthalten lagen. 
Unmittelbar vor Theon nennt Plinius 
Theoros, ' 2 
in den früheren Ausgaben als Theodoros angeführt. Seine Werke sind: ein sich 
Salbender, die Ermordung der Klytaemnestra und des Aegisthos 
durch Orestes; der trojanische Krieg auf mehreren Tafeln zu Rom in den 
Portiken desPhilippus, ferner Kassandra im Heiligthum der Goncordia, 
Leontion, des Epikur Geliebte, im Nachdenken versunken, der König De- 
metrios 1). Theoros gehört also als Zeitgenosse des Demetrios und Epikur in 
die Epoche der hier behandelten, bis in die Zeit der ersten Nachfolger Alexanders 
thätigen Maler. Hinsichtlich des künstlerischen Verdienstes steht er bei Plinius 
mit Theon in einer Klasse. Er malt aber auch, wie dieser, den lilütlefnlord des 
Orestes. Sollte uns das Zusammentreffen dieser Umstände nicht auf den Ver- 
dacht führen, dass wir es hier nicht mit zwei, sondern mit einem und dem- 
selben Künstler zu thun haben? Die Form der Zusammenstellung bei Plinius 
namentlich in den alphabetischen Verzeichnissen ist äusserst locker; und gerade 
in diesen Abschnitten wird er, aus verschiedenen Quellen sammelnd, häufig 
Nachträge einzufügen nöthig gehabt haben. Die Corruption des Namens Theon 
in Theorus, namentlich wennidabei etwa der griechische Genitiv Oäoavog in Be- 
tracht kam, ist äusserst leicht, so dass dieser Irrthum des Plinius weit verzeih-
        

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