Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201269
Die Maler vom Ende des peloponn. 
Krieges bis zum 
Tode Alexanders d. 
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wir es daraus, dass sein Werk das Vorbild für eine ganze Glasse ähnlicher 
Darstellungen geworden zu sein scheint. Eben so verhält es sich mit dem Licht- 
effect des Feuer anblasenden Knaben. Dass er endlich auch auf dem Gebiete 
der Karikatur, wenn nicht der erste Erfinder war, doch einen bestimmenden 
Einfluss ausübte, lehrt schon der Umstand, dass der Titel eines seiner Werke 
geradezu Gattungsname wurde. 
Karikaturen, Lichteffecte, Scenen aus dem Alltagsleben lehren nun aller- 
dings zur Genüge, dass wir bei Antiphilos nicht jene höhere YVeihe zu suchen 
haben, welche den Künstler gewissermassen als von der Gottheit erfüllt er- 
scheinen lässt. Vielmehr muss sich jene an ihm gerühmte Leichtigkeit auf sein 
ganzes geistiges Wesen erstreckt und ihm die Gabe verliehen haben, überall 
gefällige, schlagende oder spannende Momente aufzufinden, welche auch ohne 
eine besondere Tiefe der Auffassung durch eine lebendige und reiche Gesammt- 
Wirkung Befriedigung zu gewähren vermochten. Hiermit hängt aber nothwendig 
Zusammen, dass wir auch hinsichtlich der technischen Durchführung nicht die 
höchsten Anforderungen stellen; dass wir nicht fragen, bis zu welchem Punkte 
jede Einzelnheit vollendet ist, sondern vielmehr, ob das, was uns der Künstler 
bietet, überall dem vorgesetzten Zwecke entspricht, d. h. zu jener beabsichtigten 
Gesammtwirkung beiträgt.  
Erinnern wir uns jetzt der Sage, dass Antiphilos und Apelles im Leben 
Widersacher waren, so dürfen wir wohl geneigt sein, diese Feindschaft aus dem 
innern Gegensatze ihrer Kunstrichtungen abzuleiten. Die Aussprüche der An- 
erkennung für seine Nebenbuhler, welche dem Apelles beigelegt werden, be- 
treffen stets einzelne Seiten des künstlerischen Verdienstes innerhalb derselben 
Richtung, der er selbst angehörte, und.in welcher er anerkannt der Erste war. 
Die bewegliche Leichtigkeit des Antiphilos dagegen widersprach seinem inneren 
Wesen eben so, wie jenem der Sinn für die Bedeutung der vollendeten Durch- 
führung des Apelles abgehen mochte. So gefasst gewinnt der Gegensatz der 
beiden Künstler für uns eine über ihre Persönlichkeit hinausgehende historische 
Bedeutung; und in der That wird es uns nicht an Veranlassung fehlen, im 
Verlauf der ferneren Entwickelung auf denselben als Ausgangspunkt zurück- 
zukommen. 
Theon. 
Unter den sieben bedeutendsten Malern der Epoche Alexanders nennt 
Quintilian 1) endlich Theon von Samos als ausgezeichnet nconcipiendis visioni- 
bus, quas cpavraaiag vocant", was später seine Erklärung finden wird. Plinius?) 
führt ihn unter denjenigen Künstlern an, welche den ausgezeichnetsten dem Bange 
nach am nächsten stehen, und nennt als seine Werke däS Bild des Kitharöden 
Thamyras und „Orestis insaniani", d. i., wie wir aus Pseudo-Plutarch 3) 
erfahren, den Muttermord des Orestes. Ein drittes Werk wird uns von Aelian 4) 
allerdings in stark rhetorischer Färbung, aber doch S0 beschrieben, dass Wir 
dadurch am leichtesten zum Verständniss des Urtheils bei Quintilian gelangen. 
sDie Tüchtigkeit des Malers Theon wird, wie durch vieles andere, so auch durch 
x11, 
144. 
aud.
        

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