Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201254
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Die 
Maler. 
Bilde des Gryllos bestand doch wahrscheinlich, wie Sillig vermuthet, in der 
Aehnlichkeit, welche der Künstler zwischen diesem Menschen und einem wirk- 
lichen Ferkel herausgefunden hatte. 
Hinsichtlich der Auffassung würden wir für unser Urtheil eine vortreff- 
liche Grundlage gewinnen, sofern wir die Erfindung der Gemälde des Hippo- 
lytos, welches der ältere Philostrat 1), und der Hesione, welches der jüngere 2) 
beschreibt, mit Sicherheit auf Antiphilos zurückführen dürften. An YVahr- 
scheinlichkeit für diese Annahme fehlt es nicht, indem ja ein grosser Theil 
dieser Beschreibungen auf berühmte Originale zurückgeht. Die Gegenstände 
der beiden genannten Gemälde gehören überhaupt nicht zu den häufig dar- 
gestellten, und unter den YVerken bekannter Künstler werden sie nicht weiter 
250 angeführt, so dass auch hierdurch die Wahrscheinlichkeit für Antiphilos wächst. 
Der gesammten Auffassung nach aber können wir ihre Erfindung schwerlich in 
die Zeit vor Alexander setzen: ein von einem mächtigen dunkeln Stiere ge- 
scheuchtes, wild auseinanderfahrendes Rossegespann, ein zertrümmerter Wagen, 
der Lenker herabgestürzt und zerschmettert, so dass der letzte Hauch des Le- 
bens aus ihm entweichen will; Begleiter zu Ross, nach verschiedenen Rich- 
tungen versprengt; weiter in der Entfernung (sofern hier nicht manches Einzelne 
 rhetorischer Zusatz des Philostratos ist) die Natur selbst über ein so jammer- 
volles Ereigniss trauernd: Bergnymphen, welche sich die Wangen zerfleischen, 
die Blumenwiesen verkörpert als Knaben mit welkenden Blumenkränzen, Quell- 
nymphen, welche trauernd aus ihren Brüsten Wasser ergiessen; dazu eine land- 
schaftliche Scenerie: Meer, Wiesengründe, Quellen, Klippen, das alles in reichster 
Mannigfaltigkeit bildet den Inhalt der Darstellung des Hippolytos. In dem Bilde 
der Hesione erblicken wir ein gewaltiges Meerungeheuer von grimmigem Aus- 
druck, welches die Wasser des Meeres in wilde Bewegung versetzt, eine wehr- 
lose Jungfrau an den Felsen angeschmiedet, ihren Erretter am Ufer, schon den 
Bogen mit dem Bewusstsein des Sieges spannend; hinten die Stadt und die 
Mauern voll von Menschen, die in lebhaftester Bewegung die Hände zum Himmel 
erheben.  Solche Compositionen gehören nicht der einfachen alten Zeit, son- 
dern der Zeit eines Nikias, Welcher Stoffe empfiehlt vollBewegung und Leben 
und reich an einer Menge der verschiedenartigsten künstlerischen Motive. Sie 
Verlangen in der Lebendigkeit ihrer Auffassung einen Künstler, dem die Mittel 
seiner Kunst in vollem Umfange zu Gebote stehen, und der dieselben mit einer 
gewissen genialen Leichtigkeit handhabt. Ein solcher aber war Antiphilos: das 
lehrt uns seine bereits oben hervorgehobene Vielseitigkeit, welche sich mit 
gleicher Gewandtheit in der idealen Welt der Götter, wie in der realen des täg- 
lichen Lebens zu bewegen wusste. Nach der letztern Richtung hin müssen wir 
sogar Antiphilos noch das besondere Verdienst zuerkennen, das Gebiet seiner 
Kunst wesentlich erweitert zu haben. Eine ausführliche Darstellung der Wollen- 
bereitung ist für die Malerei ein durchaus neuer Gegenstand, dem man an sich 
2.51 kaum eine bedeutende Anziehungskraft zuschreiben möchte. Dass aber Anti- 
philos durch sehr lebensvolle Auffassung ihm dennoch einen grossen Reiz ab- 
zugewinnen Wusste, lehren theils die lobenden Worte des Plinius, theils folgern
        

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