Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199632
Maler. 
Thunfisch olarreicht. S0 berichtet Athenaeus 1) aus dem Troikos Diakosmos des 
Demetrius, Welcher ebenfalls Kleanthes von Korinth als Künstler nennt. Eine 
Zeitbestimmung bietet allerdings keiner dieser Gewährsmänner dar; und 
Welcker 9) hat sogar „nach der scherzhaft (wie auch von Ktesilochos) behan- 
delten Geburt des Zeus" schliessen wollen, dass diese Bilder nicht zu den älte- 
sten der korinthischen Schule, sondern zu den späteren nach Alexander gehören. 
Aber Poseidon mit dem Attribute des Fisches findet sich gerade auch in Dar- 
stellungen der Geburt Athene's von durchaus alterthtinilicher Auffassung auf 
Vasenbildern; und ebenso ist die Einnahme Troia's ein in alten Kunstdarstel- 
lungen beliebter Gegenstand. Ich sehe also keinen Grund, diese Gemälde dem 
alten Korinther Kleanthes zu entziehen; und es scheint mir wahrscheinlicher, 
dass die Alten, aus denen Plinius schöpfte, um die Lücken der Ueberlieferung 
auszufüllen, Kleanthes als einen der ältesten bekannten namhaften Maler lieber 
gleich zum Erfinder der Malerei überhaupt machten. Der Verdacht, dass die 
Zusammenstellung bei Plinius nur eine künstliche, nicht eine wirklich histo- 
rische Combination sei, würde dadurch allerdings bestätigt. Es scheint mir 
demnach ziemlich überflüssig zu untersuchen, ob die von Plinius angegebene 
Folge der Erfindungen die wirkliche ist. Sehen Wir doch auch schon bei ersten 
8 Versuchen von Kindern, dass sie sich nicht immer mit blossen äusseren Urn- 
rissen begnügen, sondern sich ebensowohl auch der Farbe zu silhouettenartigen 
Bildern bedienen, ohne dass das eine oder das andere nothwendig als spätere 
Entwickelungsstufe zu betrachten wäre. Ohnehin konnte man füglich von den 
allerersten Anfängen historische Nachricht nicht besitzen. Dürfen wir daher die 
Angaben des Plinius nicht wörtlich nehmen, so verlieren wir für nähere Be- 
stimmungen_al1en Boden. Wir verlassen also die alten Skiagraphen und M0- 
nochromenmaler, und suchen vielmehr, wo wir einem bestimmt erkennbaren 
Fortschritte in der Entwickelung der Malerei begegnen. Einen solchen glaube 
ich zu erkennen in den Werken des: 
Eumaros 
von Athen._ Plinius 3) lässt ihn auf die ältesten Monochromenmaler folgen und 
giebt als sein Verdienst an, dass er zuerst Mann und Frau in der Malerei unter- 
schieden und überhaupt gewagt habe, jegliche Arten von Figuren inachzubilden. 
Wie die Worte lauten, müssten auch sie sich noch auf die ersten rohen An- 
fänge beziehen. Doch gewährt uns hier unsere übrige Kenntnis alter Malerei 
einen richtigern Blick in ihr Verständniss. Wie in den Vasenmalereien alten Stils 
die Frauen von den Männern durch die Weisse Farbe des Fleisches unterschieden 
sind, so finden wir auch schon in den ältesten Wandmalereien das Golorit der 
Frauen in scharfem Gegensatze zu dem der Männer. Hierin also, in der ersten 
feineren Durchbildung dieses Unterschiedes haben wir das Verdienst des Eumaros 
zu suchen. Unbestimmter muss es bleiben, was es mit dem Nachbilden von 
Figuren jeglicher Art auf sich hat. Grössere Mannigfaltigkeit in der Handlung 
oder der Bewegung würde Plinius wohl mit andern Worten bezeichnet haben. 
Es möchten also vielmehr die Figuren, wie nach ihren Geschlechtern, so nun 
auch nach ihren Altersstufen und ihrem sonstigen Charakter schärfer von ein- 
VIII, 
346 
Allg. 
Zeit. 
1836, 
Oct. 
170.
        

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