Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201123
Die Maler vom Ende des peloponn. 
Krieges bis zum Tode Alexanders r]. 
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Diese beruhten aber auf der Gründlichkeit der Lehre und der Zurückführung 
derselben auf theoretisch-wissenschaftliche Grundlagen. Wenn wir nun bedenken, 
Welchen Werth Pamphilos auf den Unterricht im Zeichnen legte, so lässt sich 
in den ununterbrochenen täglichen Uebungen des Apelles der Einfluss des Lehrers 
nicht verkennen. Hören wir das Lob der Verkürzung am Arme Alexanders, so 
werden wir uns erinnern, dass das berühmteste Meisterstück einer Verkürzung 
einen Mitschüler des Apelles, den Pausias, zum Urheber hatte. Eben diesem 
Künstler verdankt die Enkatistik ihre Ausbildung, Welche in den Ansichten über 
das Colorit einen wesentlichen Umschwung hervorbringen musste. Apelles ar- 
beitete zwar nicht in dieser Kunstgattung; aber um so deutlicher tritt sein Be- 
streben hervor, die Temperamalerei auf eine Stufe der Ausbildung zu erheben, 
welche eine Vergleichung mit ihrer Nebenbuhlerin nicht zu scheuen brauchte. 
Die Kräftigkeit und Durchsichtigkeit der Farben, welche der letzteren zur haupt- 
sächlichsten Empfehlung dienen mochte, suchte er durch eine ausgedehnte 
Systematische Anwendung von Lasuren zu erreichen; und wie wir die Bewunde- 
rung des Stieres von Pausias zum Theil aus der musterhaften Behandlung des 
Glanzes auf dem dunkelen Felle des Thieres erklärten, so vermutheten wir, dass 
die gelungenen Effecte in manchen Werken des Apelles ebenfalls auf der Be- 
obachtung jenes „splendor"_ beruhten. Finden wir demnach bei beiden Schülern 
des Pamphilos durchaus analoge Bestrebungen, so dürfen wir diese Erscheinung 
auf die Gemeinsamkeit der Lehre zurückzuführen nicht weiter Anstand nehmen. 
Den Beweis aber dafür, dass Apelles der theoretischen Belehrung einen hohen 
Werth beilegte, hat er selbst endlich dadurch geliefert, dass er es nicht ver- 
Schmähte, Bücher über die Kunst für seinen Schüler Perseus zu schreiben. 
Apelles erscheint demnach als ein würdiger Genosse der durch Gründlichkeit 
und Solidität des Wissens vor allen ausgezeichneten Kunstschule von Sikyon; 
und wenn daher Plinius (85, 79) sagt: er allein habe der Malerei fast mehr ge- 231 
nützt, als alle andern, obwohl zu seiner Zeit die bedeutendsten Maler gelebt; 
so werden wir darin nicht blos ein allgemeines Lob seiner Vortretflichkeit, son- 
dern eine Hinweisung auf die mannigfaltigen Fortschritte erkennen dürfen, 
Welche die Ausübung der Kunst dem Apelles verdankte 1). 
Trotzdem, und namentlich, wenn wir der Beschränkungen gedenken, 
denen sich die Kunst des Apelles in Hinsicht auf das poetische Schöpfungs- 
vermögen unterworfen zeigte, würde uns die einstimmige Bewunderung des 
Alterthumsdoch kaum gerechtfertigt erscheinen, wenn seinen Werken nicht 
ausser den bisher betrachteten Vorzügen noch ein besonderer, man möchte sagen, 
unwiderstehlicher Zauber eigen gewesen wäre. Diesen bezeichnen die Alten 
nach dem Vorgange des Apelles selbst durch ein einziges Wort: „Während er 
die Werke seiner vorzüglichsten Zeitgenossen sonst in jeder Beziehung be- 
wunderte, hielt er doch daran fest, dass ihnen jene seine Anmuth (Venerem) 
fehle, welche die Griechen als Gharis bezeichnen, in allem Uebrigen hätten sie  
1) Ich verbinde nämlich: picturae plura solus prope quam ceteri onmes eontulit, cum 
eadem aetate maxumi pictores essent, indem ich von den dazwischen geschobenen Sätzen 
den ersten: vulumiuibus etianl editi, quae doetrinzun eani continent. für einen Zusatz der 
zweiten Redactien, den zweiten: praeeilzua eins in arte venustas fuit, für eine Randglosse 
zu der folgenden Bemerkung über die Oharis des Apelles halte.
        

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