Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201091
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Die 
Maler. 
und an die vier Farben erinnert er nochmals bei Gelegenheit des blitztragen- 
den Alexander. Cicero 1) dagegen beschränkt den Gebrauch der vier Farben 
auf die ältere Epoche des Zeuxis, Polygnot und Timanthes, während er die 
spätere des Aetion, Nikomachos, Protogenes, Apelles schon vollkommen durcl1- 
gebildet nennt. Es leuchtet zunächst ein, dass nicht von einer Behandlung 
dieser Farben ohne Licht und Schatten die Rede sein kann. Aber auch nach 
dieser Beschränkung kann die Angabe des Plinius nicht wörtlich verstanden 
werden, indem er bei mehreren Gelegenheiten noch andere Farben namhaft 
macht, welche von Malern, die älter als Apelles waren, angewendet wurden. 
Offenbar soll nur von einfachen, natürlichen Farbstoffen die Rede sein, im 
Gegensatz zu den materiell kostbaren und gekünstelten. Plinius vergleicht die 
Einfachheit der älteren Maler bei der höchsten Kunst mit dem Verfall seiner 
225 Zeit, trotzdem dass in dieser der Purpur zum blossen Anstrich der Wände ge- 
braucht werde und Indien den Schlamm seiner Flüsse, das Blut von Drachen 
und Elephanten liefere. In ähnlicher Weise könnten wir auch von unserer Zeit 
reden und ihr etwa die des Raphael gegenüberstellen, in welcher so mancher 
von heutigen Effectmalern benutzte Farbstoff noch nicht einmal entdeckt war, 
so. dass man nach einem geläufigen, wenn auch ungenauen Malerausdruck sagen 
könnte: man habe sich damals auf die Okerfarben beschrankt. 
Ist somit das Zeugniss des Plinius für die Erkenntniss der besondern 
Verdienste des Apelles in der Behandlung der Farbe von geringem Werthe, so 
müssen wir versuchen, diese Lücke durch anderweitige Nachrichten zu ergänzen. 
Da finden wir denn, dass Apelles mit seinen verhältnissmässig geringen Mitteln 
doch bedeutende Erfolge erreicht haben muss. So deuten in dem Bilde der 
Verleumdung die leidenschaftliche Erregtheit der-Hauptperson, das bleiche, ab- 
gezehrte Aussehen des Neides, die Scham im Antlitz der Reue wenigstens auf 
mannigfachen Wechsel in den Farbentönen; in welcher Beziehung auch die 
Darstellungen von Sterbenden nicht zu übersehen sind. Ja die Personiücationen 
der Gewittererscheinungen sind ohne kräftige Farbeneffecte eigentlich kaum 
denkbar; und dass sie Apelles hier nicht verschmähte, können wir aus dem 
Bilde Alexanders folgern, in welchem der Blitz eine keineswegs untergeordnete 
Rolle spielte, da Plinius bemerkt, er scheine sich ausserhalb der Tafel zu be- 
linden.  Dieses Bild hatte aber ausserdem auch in der Behandlung der Farbe 
manches Auffällige. Während dem Alexander eine weisse, nur gegen die Brust 
hin und im Gesicht mehr geröthete Hautfarbe eigen war, malte ihn der Künstler 
dunkler und in einem schmutzigen Tone. Wenn man nun darin einen Tadel 
hat finden und sogar behaupten wollen, Apelles habe es nicht verstanden, die 
eigenthümliche Farbe naturgetreu wiederzugeben 2), so liegt dieser Auffassung 
sicher ein Irrthum zu Grunde. Denn in der Normalschönheit, welche Lucian 3) 
aus den berühmtesten Kunstwerken zusammenstellen will, soll gerade der Körper 
227 nach der Pankaste des Apelles gemalt werden, nicht zu weiss, sondern etwas 
wie durch das Blut geröthet. Mehr als einer ähnlichen Farbengebung hätte es 
aber doch auch in dem Bilde Alexanders nicht bedurft. Der Künstler 11mm" also 
bei der Wahl eines schmutzigeren Tones offenbar einen besonderen Zweck, und 
Brut. 
Lindemann 
inlag. 
de 
Alex. 
picta. 
Apelle 
imagg.
        

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