Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201081
Tode Alexanders d. 
bis zum 
Die Maler vom Ende des peloponn. Krieges 
151 
so feiner blotivirung jeder Form gezogen, dass das geistige Auge daraus auf 
die nicht wirklich dargestellten Theile zu schliessen und Herakles mit derselben 
Sicherheit zu erkennen vermochte, als 0b er das Gesicht dem Beschauer zu- 
gewendet hätte.  Freilich könnte nun immer ein minder günstiger Beurtheiler 
behaupten, jene Hand, wie dieses abgewendete Gesicht seien Bravourstücke, 
durch welche die wahre Kunst nichts gewinne und nur der Künstler sich ein 
wohlfeiles Lob zu erwerben strebe; und wir müssen deshalb unsere Zuflucht 
zu weitern Erzählungen des Plinius 1) nehmen. „Apelles malte Portraits von 
einer so schlagenden Aehnlichkeit, dass, so unglaublich es klingt, Apio in seinen 
Schriften berichtet, es habe jemand, der aus dem Antlitz der Menschen wahr- 
sagte, ein sogenannter Metoposcopos (Stirngucker oder Kraniologe, wie wir 
Sagen würden), aus diesen Portraits die Jahre des künftigen Todes oder des 
verflossenen [Lebens] vorausgesagtäy" Ein Gitat aus Apio, von Plinius noch 
dazu mit einem incredibile dictu begleitet, muss nun allerdings von vorn herein 
unser Misstrauen erregen; zumal es sich um Dinge handelt, an denen sich noch 
heut zu Tage die Charlanterie breit macht. Doch dürfen wir, von der Richtig- 
keit aller übrigen Punkte abgesehen, vielleicht einigen Werth darauf legen, dass 
es gerade Bilder des Apelles sind, an denen ein Kraniologeseine Weisheit ge- 
zeigt haben soll; insofern als diese doch Eigenschaften besitzen mussten, welche 
sie zu diesem Zwecke geeignet erscheinen liessen. Und in dieser Auffassung 
kann uns auch die Erzählung bestärken, nach welcher Apelles bei seiner Be-  
gegnung mit Ptolemaeos aus dem Gedächtniss das Portrait eines ihm nur aus 
flüchtiger Begegnung bekannten Menschen mit Kohle in leichtem Umriss, aber 
Von der täuschendsten Aehnlichkeit entwirft 3). -Denn, was hier berichtet wird 
 setzt nicht nur eine grosse Leichtigkeit, sondern auch Schärfe der Beobachtung 
voraus, welche es versteht, die Kennzeichen einer Person oder eines Dinges, 225 
in welchen sich vorzugsweise deren Charakter ausspricht, klar und bestimmt 
aufzufassen und eben so durch die technischen Mittel der Kunst wiederzugeben. 
Erinnern wir uns nun wieder an die früheren Bemerkungen über die Uebungen 
des Apelles im Zeichnen, so werden sie uns nicht unternommen scheinen, um 
mit blosser Virtuosität zu prunken, sondern sie sind nur das Mittel zur sichern 
Erreichung eines höheren Zweckes, nemlich einer scharfen und feinen Cha- 
rakteristik.  
Von der Zeichnung wenden wir uns zur Farbe und bemerken zunächst, 
dass Apelles bei Plinius seine Stelle unter den Temperarnalern gefunden hat. 
Wenn nun auch daneben bei Statius4) von Apelleae cerae die Rede ist, so 
dürfen wir doch darin nichts als einen poetischen Ausdruck sehen, indem sonst 
seine Thätigkeit als Enkaust durch kein sicheres Zeugniss bestätigt wird.  
Hinsichtlich der Farbenstoffe begegnen wir Wiederum der Angabe des Plinius-"), 
dass die laerühmtesten Maler, wie Apelles, Aätion, Melanthios, Nikomachos; ihre 
Werke mit nur vier Farben gemalt hätten, Melinum für das Weiss, Attischem 
Oker für das Gelb, Sinopischer Erde für das Roth, Atramentum für Schwarz; 
nnnos aut praeteritae giebt offenbar keinen Sian; 
Endung von praetentae leicht ausgefallen se1n. 
l. 
1) 35, 88. 2) auf futurae mortis 
yifae aber kann wegen der gleichen 
5) Plin. l. V1. 4) silv. 1, 100. 5') Plin. l.
        

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