Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201048
Die Maler vom Ende des peloponn. 
Alexanders d. 
Krieges bis zum '1'0de 
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lichen Handlung sprechen: der Oberpriester bildet den sichtbaren Mittelpunkt,  
um Welchen das übrige Festgepränge passend zu gruppiren war. Allerdings 
mochte sich darin viel Leben und Bewegung zeigen: auf ein höheres dra- 
matisches Interesse aber kann der Gegenstand an sich noch keinen Anspruch 
begründen. Vielleicht ist es nicht unpassend, hier zum Vergleich an ein Werk 
der Kunst unserer Tage, an ein Gemälde von Horace Vernet zu erinnern, welches 
einen Vorwurf durchaus verwandter Art behandelt, den Papst, wie er von der 
Loggia der Peterskirche den Segen ertheilt. Auch dieses Bild ist eine "poinpa", 
ein Festaufzug; aber eben so wohl dürfen wir es eine Darstellung des Papstes 
im höchsten Glanze seiner Erscheinung nennen: seine Figur beherrscht so sehr 
das Ganze, dass Alles, was ihn umgiebt, einzig dazu bestimmt scheint, das  
Gewicht seiner Persönlichkeit zu erhöhen. Eine ähnliche Auffassung würde 
aber der von uns hier charakterisirten Geistesrichtung des Apelles durchaus 
entsprechen. Denn es ist nicht eine einzelne, nur einmal dagewesene Begeben- 
heit mit den sie begleitenden Umständen, welche hier dargestellt wird, sondern 
der Papst erscheint als die Verkörperung; des Begriffs göttlicher Machtvollkommen- 
heit auf Erden, so sehr, dass die individuellen Züge des jedesmaligen Trägers 
derselben als rein zufällig betrachtet werden dürfen, und dass demgemäss, 
wenn ich nicht irre, in dem Kupferstiche auch bei einem Regierungswechsel 
der Kopf des einen bereits dem des andern hat weichen müssen. Verhielt "es 
sich nun mit dem Bilde des Megabyzos ähnlich, so ist die Grundanschauung, 
aus welcher es hervorging, nicht eben verschieden von derjenigen, welche dem 
Alexander als irdischen Zeus den Blitz in die Hand gab. Wenn ausserdem 
von diesem Bilde bemerkt wird, dass es in der Behandlung der Körperfarbe 
weit von der iVirklichkeit abgewichen sei, so wird dies allerdings seinen Haupt- 
grund in der Beabsichtigung eines bestimmten Farbeneffects gehabt haben. 
Allein zugleich wurde der Künstler zu diesem Wagniss doch wohl nur durch 
die Ueberzeugung geführt, dass bei einem Bildnisse in seiner Auffassung eine 219 
in allen Einzelnheiten individualisirte Durchführung keineswegs Bedürfniss war, 
vielmehr zuweilen absichtlich andern Gesichtspunkten geopfert werden musste. 
Und dass Apelles so dachte, dürfen wir um so eher glauben, als an keinem 
der vielen Bildnisse von der Hand des Apelles die Feinheit der Individualisirung 
irgend wie hervorgehoben wird. Dagegen müssen wir darauf einigen Nachdruck 
legen, dass bei mehreren Portraits Plinius nicht einfach die Namen der dar- 
gestellten Personen, sondern noch Nebenumstande der Darstellung anführt: 
„Kleitos, der mit dem Bosse zum Kriege eilt, und sein Knappe, der ihm auf sein 
Verlangen den Helm reicht", „Neoptolemos vom Bosse aus gegen die Perser 
(kämpfend?), Antigonos mit dem Bosse vorschreitend". Mich erinnern diese 
Beitergestalten unwillkürlich an das Davidische Bild Napoleons beim Ueber- 
g'ange über die Alpen. Denn auch in diesem ist eine durchgehende Individua- 
lisirung nicht Hauptzweck; eben so wenig lässt sich von einer eigentlichen 
Handlung sprechen; sondern historische Umstände sind nur zur Umgebung, 
zur symbolischen Andeutung benutzt, um die dargestellte Person in ihrer hi- 
storischen Bedeutung, als Träger oder als die Verkörperung eines welthistorischen 
Gedankens hinzustellen. Wenn wir also hier alle Eigenihümlichkeiten der Geistes- 
richtung des Apelles wiederfinden, so dürfen wir wohl auch umgekehrt nach
        

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