Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201032
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Maler. 
geringen Antheil; und wo sich der Künstler ihr zuwendet, da ist es nicht poetisch- 
religiöse Begeisterung, Welche ihn leitet, sondern die Rücksicht auf rein künst- 
lerische Gesichtspunkte. Mag seiner Aphrodite das Bild einer Sterblichen zu 
Grunde liegen oder nicht, immer beruhte der Ruhm dieses Bildes nicht auf dem 
Ausdrucke göttlicher Erhabenheit, sondern auf dem höchsten, wenn auch zartesten 
Reize körperlicher Schönheit. Der Glaube an die Persönlichkeit der Götter war 
bereits wankend geworden. Man fing an, diese poetisch-einheitlich abgeschlossenen 
und abgerundeten Gestaltungen nach Begriffen oder den Attributen ihrer Macht 
zu zerspalten; und wenn man auch die daraus hervorgehenden Abstractionen 
wiederum mit einem Körper zu bekleiden bestrebt war, so können doch solche 
Personificationen durch die Art, wie sie durch äussere Zeichen ihre Bedeutung 
 zu erkennen geben sollen, die reflectirende Thätigkeit des Geistes als den Quell 
ihrer Entstehung nicht verleugnen. S0 malt Apelles Zeus, den Donnerer, nicht 
217 in eigener Person, sondern den Donner, das Leuchten, das Schleudern des 
Blitzes; nicht den Kriegsgott, sondern den Krieg. WVaren demnach dem 
Künstler die Götter nicht sowohl lebendige Persönlichkeiten, als personificirte 
Kräfte der Natur oder Mächte der ewigen Weltordnung, so begreifen wir, 
dass er nun auch einen König, welcher sich die Welt unterworfen hatte, 
welcher ihre Geschicke nach seinem WVillen lenkte, geradezu als einen Gott, 
als Zeus, hinstellen konnte; so wie in dem Bilde des Alexander mit den Dios- 
kuren der Gedanke einer Vergleichung mit Helios gewiss nahe liegt. Durch 
das sich darin offenbarende Streben, die Grösse des Weltbesiegers nicht durch 
die concrete Darstellung seiner Thaten, sondern durch abstracte Andeutungen 
seiner Erfolge darzustellen, müssen wir nothwendig zu der Ansicht geleitet 
werden, dass seine künstlerische Phantasie durchaus von der Reflexion be- 
herrscht und geleitet ward. Ja wir können noch weiter gehen und geradezu 
behaupten, dass das Vorwalten der Auffassung nach Begriffen den Apelles über- 
haupt nicht dazu gelangen liess, eigentliche Handlungen darzustellen, in denen 
die Entwickelung einer Begebenheit in einem scharf abgegrenzten Momente 
durch die nur auf diesen gerichtete Thätigkeitjeder einzelnen dabei betheiligten 
Person zur Anschauung käme. Die Mehrzahl seiner meist auf ein, zwei, höch- 
Istens drei Figuren beschränkten portraitartigen Darstellungen schliesst eine 
Handlung in diesem Sinne sogar fast mit Nothwendigkeit aus. Wie unter- 
geordnet dieselbe aber z. B. auch in dem tigurenreicheren Bilde der Verleum- 
dung ist, ward bereits oben angedeutet. Darum möchte ich auch das Bild der 
Artemis unter dem Chor opfernder Jungfrauen nicht auf das Opfer der Iphigenie 
beziehen. Denn in dieser Scene müsste nothwendig der Schwerpunkt des Ganzen 
in die Abstufung verschiedener Affecte, oder in das Zusammenfassen zu einem 
spannenden, dramatischen Momente gelegt werden, wie wir ihn eben sonst in 
den Werken des Apelles nie finden. Bei einem Opfer ohne bestimmte mytho- 
logische Beziehung dagegen genügte es, dass der Künstler Artemis als diegött- 
liche Jungfrau auffasste und sie als solche gerade durch ihre Umgebung er- 
scheinen" liess, bei deren Darstellung es ihm gestattet war, den rein künst- 
lerischen Gesichtspunkten einer anmuthigen Gestaltung im Gegensatz zu dem 
21g poetischen oder ideellen Gehalt in hervorragender Weise Rechnung zu tragen. 
Eben so wenig können wir bei dem Festaufzug des Megabyzos von einer eigent-
        

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