Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1201016
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Die 
Maler. 
sie Pakate genannt Wird, will bei seiner Musterschönheit einer Frau den Körper 
nach ihrem Vorbilde dargestellt Wissen, und zwar nicht zu weiss, sondern etwas 
Wie durch das Blut geröthet (in) dyav Äsvxöv, äMoZ ävocquov linke-Jg). Dass Apelles 
seine Anadyornene nach ihr gemalt haben solle, Ward schon erwähnt. 
„Unter seinen Werken befinden sich auch Bilder von Sterbenden": 
Plin. 35, 90. 
Endlich dürfen wir hier die berühmte Linie nicht übergehen, da sie wie 
ein anderes Werk aufgestellt war und nicht minder, namentlich von den Künst- 
lern bewundert ward. Plinius hattesie noch in Rom gesehen, ehe sie durch 
den Brand des Kaiserpalastes zu Grunde gegangen war. Er erzählt von ihrer 
Entstehung folgendes (35, 81-83): Apelles, begierig den Protogenes kennen zu 
lernen, eilt gleich nach seiner Ankunft in Rhodos in dessen Wohnung, wo er 
214 aber nicht ihn, sondern eine alte Frau als Wächterin trifft. Aufihre Frage, wer 
er sei, ergreift er einen Pinsel und zieht mit Farbe eine Linie von der höchsten 
Feinheit auf eine zu einem Gemälde vorbereitete Tafel. Nach seiner Rückkehr 
erkennt Protogenes sofort, dass nur Apelles es sein könne, der so etwas ge- 
liefert; zugleich aber zieht er mit einer andern Farbe eine zweite Linie in die 
erste hinein, und lässt, als er wieder weggeht, die Bestellung zurück: der sei 
es, welchen jener Unbekannte suche. Da schneidet Apelles bei seiner Rückkehr, 
um nicht besiegt zu sein, die Linien nochmals mit einer dritten Farbe und lässt 
für eine noch grössere Feinheit keinen weiteren Raum, worauf auch Protogenes 
sich besiegt erklärt und eilig seinen Gast aufsucht.  Ueber die Bedeutung 
dieser Erzählung s. u. 
Ausserdem ist zu bemerken, dass Apelles auch Schriften über seine Kunst 
herausgwab, wie es scheint, in Form eines Lehrbuches für seinen Schüler Per- 
seus: Plin. 35, 79 u. 111. 
Von keinem Künstler des Alterthums werden so viele anekdotenartige 
Züge mitgetheilt, wie von Apelles. Nur wenige freilich lehren uns etwas über 
seine künstlerische Eigenthümlichkeit; wohl aber gewähren sie zusammengenom- 
men uns ein ungefähres Bild von seinem persönlichen Charakter, so dass sie 
deshalb wenigstens angeführt zu werden verdienen. Apelles erscheint darin als 
ein Künstler, der sich seines Verdienstes allerdings wohl bewusst ist, aber doch 
die Grenzen desselben kennt, und darum von dem Hochmuth mancher seiner 
Kunstgenossen sich frei erhält. Ja im Bewusstsein seiner eigenen Vorzüge ist 
er gern bereit. fremdes Verdienst selbst anzuerkennen und bei andern zur An- 
erkennung zu bringen, wogegen er freilich auch Thorheit und Selbstüberhebung 
mit feiner Ironie zu verspotten und zu strafen versteht. Sein eigenes, von an- 
dern nicht übertroffenes Verdienst setzt er in die Grazie. Dagegen erkennt er 
dem Melanthios in der Disposition, dem Asklepiodor in den Verhältnissen der 
 Figuren zu einander den Vorzug zu; Protogenes aber sei ihm bis aufjene leichte 
Grazie in allem Uebrigen mindestens gleich, wenn nicht überlegen  Als er 
bemerkte, dass dieser Künstler aus Mangel an Anerkennung seine Werke zu 
215 Spottpreisen wegzugeben gezwungen war, stellte er ihm für die gerade fertigen 
Werke den Preis von fünfzig Talenten und verbreitete das Gerücht, er wolle
        

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