Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200772
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Mal er. 
Die 
schen oder historischen Begebenheit (etwa wie beim Laokoon oder den Niobi- 
den) noch ein anderes als ein rein menschliches Interesse beigewohnt haben. 
Dabei ist aber doch das Ganze als Handlung betrachtet in seinen Grundmotiven 
wieder so einfach, dass die volle Wirkung nur durch die höchste Meisterschaft 
einer fein gefühlten Durchführung erzielt werden konnte. Wem aber eine solche 
Darstellung gelang, dem musste auch Herakles von dem brennenden Schmerze 
des Gewandes der Deianeira überwältigt ein willkommener Gegenstand sein; 
und aus diesem Grunde habe ich oben das von Strabo erwähnte Gemälde unter 
den Werken des Aristides mit anführen zu müssen geglaubt. Bei der wegen 
der Liebe zu ihrem Bruder Sterbenden, sei es nun Kanake oder eine andere 
Heroine, genügt schon die Bezeichnung des Gegenstandes, um dieses Werk 
unter die pathetischen einzureihen. Weniger durch heftige Leidenschaft, als 
durch den Ausdruck tiefen Elendes und Schmerzes wird sich das berühmte 
Bild eines Kranken ausgezeichnet haben. Nicht ganz so leicht ist es, bestimmte 
Beispiele für die Darstellung zarterer Stimmungen und Empfindungen nachzu- 
weisen. Wir können sie allerdings voraussetzen in dem Bilde des Dionysos als 
178 den Ausdruck einer mit Schwärmerei verbundenen Weiclilichkeit, in dem Bilde 
des Alten mit der Leier, welcher einen Knaben unterweist, als den Ausdruck 
gespanntester Aufmerksamkeit. Aber nur einmal deutet Plinius die Eigenthüm- 
lichkeit in der Auffassung des Künstlers durch einen kurzen Zwisch-ensatz be- 
stimmter an, indem er von dem Betenden aussagt, man glaube fast seine Stimme 
zu hören. Doch dürfen wir wohl den Versuch wagen, ihn aus einer andern Quelle 
zu ergänzen. Ich halte es nemlich für sehr wahrscheinlich, dass wir von den 
„Jägern mit der Beute" eine genauere Beschreibung bei dem jüngern Philo- 
stratus (3) besitzen. Jäger haben sich im schattigen Gehölze bei einer Quelle 
gelagert, nachdem sie einen Hirsch und eine Sau erbeutet. YVährend die Diener 
das Mahl bereiten, vertreiben "sie ihre Zeit im Gespräch über ihre Abenteuer; 
der Becher beginnt die Bunde zu machen; und auch die Hunde als treue Ge- 
hülfen erhalten, was ihnen gebührt. Die Handlung ist hier höchst einfach und 
anspruchslos; und selbst Philostratus verzichtet mehr als sonst auf das rheto- 
rische Gepränge der Beschreibung: er fand also weder die Grossartigkeit der 
Auffassung, wie sie wohl "für heroische Stoffe sich schickt, noch besonders geist- 
reiche Einfälle, wie sie den Witz und den Scharfsinn des Bescliauers zu reizen 
pflegen. Das Ansprechende, welches gerade dieses Werk gehabt zu haben 
scheint, konnte daher nur in der Lebendigkeit des Ausdruckes, der freien lebens- 
vollen Charakteristik der einzelnen Figuren begründet sein: also gerade in Vor-  
zügen, auf welchen die wesentliche Eigenthümlichkeit des Aristides beruht. Und 
in der That hebt auch Philostratus besonders hervor, wie jede der Figuren so 
ganz in der Situation lebt, in welche sie der Künstler versetzt hat: der Er- 
zählende, die Zuhörer, der Sänger, die Bereiter des Mahles, selbst die Hunde 
vereinigen sich zum Ausdruck der behaglichsten Stimmung, die sich unvermerkt 
dem Beschauer mittheilen musste.  Wir Würden geneigt sein, noch eine andere 
Gemäldebeschreibung des älteren Philostratus 1): Dionysos und Ariadne, auf ein 
Original des Aristides zu beziehen: der liebetrunkene Ausdruck des Gottes, der
        

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