Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200627
Die Maler vom Ende des peloponn. 
bis zum Tode Alexanders d. 
Krieges 
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auch Nikophanes, desselben Pausias Schüler, wegen derjenigen Sorgfalt, welche 
die Künstler allein zu würdigen pflegen, übrigens hart in den Farben und zu 
verschwenderisch im Gebrauche des Ocker  [sein] Sokrates zwar gefällt mit 
Recht Allen  von dieser Art sind sein Asklepios mit den Töchtern Hygieia, 
Aegle, Panakeia und Jaso, so wie jener Träge, den man Oknos nennt, der ein 
Strohseil flieht, welches ein Esel abnagtft Zuerst darf der Name Nikophanes, 
den Raoul-Rochette anstatt des ungriechischen Mechopanes in Vorschlag gebracht 
hat, jetzt durch die Autorität der Bamberger Irlandschrift als gesichert betrachtet 
werden. Sodann aber wollte man in dieser Stelle früher die Erwähnung eines 
zweiten, bis auf eine ganz dunkle Erwähnung bei Plinius 1) unbekannten Ma- 
lers Sokrates finden, und der Gegensatz des: nam Socrates iure omnibus placet 
zu dem Tadel der vorhergehenden Worte würde dies grammatisch recht wohl 
erlauben. Das folgende „tales sunt eius" weist uns dagegen wieder auf den 
ursprünglichen Tadel zurück und Sillig in der neuen Ausgabe des Plinius thut 
daher gewiss recht, wenn er jene Erwähnung des Sokrates als einen Zwischen- 
satz auffasst, in dem als eine Ausnahme ein Werk angeführt wird, welches 
jener Tadel nicht trifft.  Mit dieser Stelle müssen wir eine andere, gleichfalls 
bei Plinius 2) verbinden: „Hierher gehört auch Nikophanes, elegant und gefällig, 
so dass hinsichtlich der Anmuth (venustate) wenige ihm verglichen werden 
können. In Bezug auf hohe Würde (cothurnus) und Gewichtigkeit der Kunst 
jedoch ist er von Zeuxis und Apelles weit entfernt." Die Zweifel, welche sich 
aus der doppelten Erwähnung bei Plinius gegen die Identität der Person er- 
heben liessen, sind leicht zu beseitigen. Denn erstens finden sich auch sonst 
die Nachrichten über einzelne Künstler an verschiedenen Orten seines Werkes 
zerstreut, was bei der Mannigfaltigkeit der nicht immer gleichzeitig von Plinius  
benutzten Quellen nicht auffallen kann, namentlich da, wo Plinius, wie in der 
zweiten der angeführten Stellen am Ende einer längeren Reihe allerlei Nachträge 
ohne feste Ordnung an einander reihet. Hier jedoch bedürfen wir nicht einmal 
dieser Entschuldigungen: denn einmal erscheint Nikophanes unter den Tafel- 156 
malern, das andere Mal unter den Enkausten, so dass, wenn er in beiden Arten 
tüchtig war, schon dadurch die doppelte Erwähnung gerechtfertigt wird. Es 
fragt sich daher nur, ob die beiden Urtheile über die künstlerische Bedeutung 
so weit übereinstimmen, dass sie auf eine und dieselbe Person bezogen werden 
dürfen. Fassen wir die Mischung von Lob und iTadel in der ersten Stelle in 
das Auge, so werden wir nicht umhin können, das Lob der nur den Künstlern 
verständlichen Sorgfalt auf eine äusserst gefeilte und, wie wir wohl sagen, ge- 
leckte Durchführung der Zeichnung im Gegensatze zur Farbe zu beziehen. Denn 
gerade dadurch wird leicht die Einheit der Gesammttöne in den Farben zer- 
stört und Härte im Golorit erzeugt. Wie aber dieses Urtheil bei Plinius gefasst 
erscheint, hat es offenbar nicht einen Künstler, sondern einen Laien zum Ur- 
heber. Dagegen spricht sich nun in der zweiten Stelle die Meinung eines 
Künstlers aus. Ihm erscheint jene Sorgfalt der Zeichnung als Eleganz und 
Feinheit in so hohem Grade, dass er in dem Lobe der Venustas, der zierlichen 
Anmuth, dem Nikophanes Wenige an die Seite stellen mag. Dieses Lob dürfen 
111.
        

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