Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200605
Die Maler vom Ende des peloponn. 
bis zum 
Krieges 
Tode Alexanders d. 
103 
dieser für die Kunst neu gewonnenen Mittel zu lösen waren. Ich glaube fer- 152 
ner die Vortheile, welche die Enkaustik bot, auch in Anschlag bringen zu 
müssen, wenn wir hören, dass Pausias in der Blumenmalerei keinen geringen 
Ruhm erworben habe. Wenn wir freilich auch in diesem Genre von einem 
Meisterwerke eine hohe Vollendung der Zeichnung zu verlangen nicht umhin 
können, welche es sich namentlich zur Aufgabe zu setzen hat, den Wuchs, die 
Schwingung der Blätter, die Bildung und Entfaltung des Blüthenkelches im 
mannigfachen Wechsel der Lagen dem Organismus der Pflanze gemäss dar- 
zustellen, so hat man doch von "jeher hier vor Allem nach Illusion durch die 
Farbe gestrebt, nach einem Wiedergeben jenes Schmelzes und jenes Reichthums 
von Farbentönen, die auch in der Wirklichkeit, weit mehr als die Form, das 
Auge anzuziehen pflegen. Dieses Ziel zu erreichen war aber erst durch eine 
vollendete Technik möglich, wie sie die Enkaustik bot. Doch wollen wir das 
Verdienst des Pausias nicht auf diese allein beschränken, sondern es nach dem 
ausdrücklichen Zeugnisse des Plinius auch darauf ausdehnen, dass er nicht 
minder in der Anordnung der verschiedenen Blumen die reichste Mannigfaltig- 
keit zu entwickeln verstanden habe, was vom künstlerischen Standpunkte einen 
feinen Sinn für Farbenzusammenstellung voraussetzt. 
Blicken wir jetzti noch einmal auf die Leistungen des Pausias zurück, so 
können wir nicht behaupten, dass ihm in der Wahl und der innerlichen Auf- 
fassung der Gegenstände, im geistigen poetischen Schaffen ein herv0rstechen- 
des Verdienst gebühre. Selbst bei dem Stieropfer wird nicht das Poetische, 
sondern das Kunstreiche der Erfindung gepriesen. Bei dem Bilde der Methe 
kann der sonst so trockene Pausanias eine Bemerkung über das technische Ver- 
dienst nicht unterdrücken. Plinius aber sagt geradezu, dass er hauptsächlich 
Kinder gemalt, also Darstellungen der naivsten Art geliebt habe. Ja es scheint 
sogar, dass er in der Wahl seiner Gegenstände nicht immer die Schranken  
strenger Sitte wahrte. Polemon nemlich in der Schrift über die Gemälde in 
Sikyon 1) nennt unter den nogvoypdqwot neben Aristides und Nikophanes einen 
ganz unbekannten Maler Pausanias, an dessen Stelle schon Sillig den Namen 153 
des Pausias vermuthete, wie ich glaube, mit Recht, wenn auch die Handschriften 
dagegen sprechen. Denn in der Gesellschaft so bedeutender Künstler, wie Ari- 
stides und Nikophanes dürfen wir wohl als dritten ebenfalls einen bekannten 
Namen erwarten; und da Nikophanes, der Schüler des Pausias, zu dieser Klasse 
von Malern gehört, so kann es um so Weniger auffallen, auch den Lehrer da- 
runter zu finden. Nun hat zwar Letronne 2) jede Beziehung der nogvoyodrpot 
auf die Darstellung obscöner Gegenstände ableugnen und in ihnen einfach 
Maler berühmter Hetären sehen wollen. Doch hat ihn wohl hier, wie auch 
YVelcker meint 3), der Eifer des Widerspruchs gegen die Uebertreibungen Raoul- 
R0chette's zu weit getrieben. Denn wenn in einer Stelle des Frontoi) ver- 
gleichsweise darauf hingedeutet wird, wie unpassend es sein würde zu ver- 
langen, dass Euphranor lasciva, Pausias [p]roel[i]a male, so müssen wir nach 
dem Zusammenhange voraussetzen, dass dem einen die dem andern abge- 
1) bei Athen. XIII, 
Altw. 1837, N. 83. 4) 
p. 567 B. 
epist. p. 
2) Appendice aux lettres (l'un antiq. 
F0 ed. Rom. 
9 sqq- 
3) Ztschr.
        

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