Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200550
Maler. 
Die 
Pausias. 
Pausias erscheint unter den Schülern des Pamphilos als derjenige, welcher 
 von den theoretischen Studien und Forschungen seines Lehrers die umfassendsten 
praktischen Anwendungen zu machen verstand. Hören_wir darüber vor Allem 
den ausführlichen Bericht des Plinius  
„Auch Pamphilos, des Apelles Lehrer, soll die Enkaustik nicht allein selbst 
ausgeübt, sondern auch darin den Pausias von Sikyon unterwiesen hahen, 
welcher zuerst in dieser Gattung Ruhm erwarb. Dieser war der Sohn des [uns 
sonst gänzlich unbekannten] Bryetes und anfänglich auch dessen Schüler. 
Er malte auch mit dem Pinsel Wandgemälde zu Thespiae, als die früher von 
Polygnot gemalten wiederhergestellt wurden; doch urtheilte man, dass der Ver- 
gleich sehr zu seinem Nachtheil ausfalle, weil er sich in einer ihm nicht eigen- 
thümlichen Gattung der Malerei in den Wettstreit eingelassen. Er war auch 
der erste, der anfing, Decken (lacunaria) zu malen, Während es vor ihm nicht 
Sitte war, Gewölbe (camaras) in dieser Weise zu schmücken. Er malte kleine 
14.5 Bildchen und besonders Kinder. Dies deuteten seine Nebenbuhler dahin, dass 
er es thue, weil diese Art der Malerei (nemlich die Enkaustik) langsam von 
Statten gehe. Um sich daher auch den Ruf der Schnelligkeit zu erwerben, 
vollendete er in einem Tage ein Bildchen, einen Knaben darstellend, das des- 
halb den Namen Hemeresios, das Eintagsbild, erhielt. In seiner Jugend liebte 
er seine Landsmännin Glykera, eine Kränzebinderin; und indem er im Wett- 
eifer sie nachahmte, brachte er diesen Kunstzweig zur reichsten Mannigfaltigkeit 
in Zusammenstellung der Blumen. Schliesslich malte er sie selbst mit einem Kranze 
sitzend, und dieses, eines seiner berühmtesten Gemälde, Ward Stephanoplokos, 
die Kränzewinderin, genannt, von andern Stephanopolis, die Kränzeverkäuferin, 
weil Glykera durch den Verkauf von Kränzen sich in ihrer Armuth unterhalten 
hatte. Ein Exemplar dieses Gemäldes, welches man apographon nennt (viel- 
leicht wegen des hohen Preises nicht eine blosse Gopie, sondern eine Wieder- 
holung von der Hand des Künstlers), kaufte L. Lucullus für zwei Talente an 
den Dionysien zu Athen. Pausias malte aber auch grosse Gemälde, wie das 
im Porticus des Pompeius aufgestellte Stieropfer. Dieses Gemälde (oder; diese 
Art zu componieren) erfand er zuerst: nachher haben viele sie nachgeahmt, keiner 
erreicht. Vor allem, indem er Wollte, dass sich die Länge des Stieres zeige, 
malte er ihn von vorn, nicht von der Seite; und doch erkennt man hinlänglich 
seine Ausdehnung. Während man sonst ferner, was hervortretend erscheinen 
soll, mit leichter Farbe anzulegen und mit dunkler zu decken pflegt, machte 
er den ganzen Stier von schwarzer Farbe und gab dem Körper Schatten aus 
sich selbst; und doch liess die Vortrefflichkeit der Kunst auf der Fläche alles 
hervortretend und in der gebrochenen Verkürzung zusammenhängend erscheinen. 
Auch er lebte zu Sikyon, und lange war dies das Vaterland der Malerei; alle 
öffentlichen wegen der Staatsschuld zum Verkauf gebrachten Gemälde versetzte 
die Aedilität des Scaurus von dort nach Rom." 
Ausser dieser höchst bedeutenden, aber der Erklärung vielfach bedürftigen
        

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