Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200531
Maler. 
Die 
für nöthig erachtete, giebt uns nur einen Begriff von der Gründlichkeit des Lehrers 
im Allgemeinen. Nicht mehr ergiebt sich uns aus der Nachricht von dem Unter- 
richt im Zeichnen, Wie er durch den Einfluss des Pamphilos unter die Gegen- 
stände der Erziehung aufgenommen wurde. Denn dass er bei seinen eigenen 
Schülern die Grundlage bildete, versteht sich eigentlich von selbst, indem die 
durch praktische Uebung erlangte Sicherheit die Vorbedingung für die Durch- 
führung jedweder künstlerischen Aufgabe ist. Wenn es ferner heisst, er habe 
als einer der ersten enkaustisch gemalt und auch den Pausias in dieser Gattung 
der Malerei unterwiesen 1), so folgt daraus ebenfalls nur, dass er auch das rein 
Technische in den Kreis seiner Studien, wie seiner Lehre gezogen habe. Von 
seinen Schriften sind uns nicht einmal Bruchstücke erhalten. 
So bleibt uns eigentlich als das gewichtigste Zeugniss für die Vortreff- 
lichkeit seiner Lehre immer nur der Erfolg seiner Schüler. Wie wir aber den- 
selben immer schon im Auge hatten, wenn wir dem Pamphilos eine der ersten 
Stellen in der Entwickelungsgeschichte der Malerei anwiesen, so wird es uns 
142 vielleicht später möglich werden, auch im Einzelnen auf gewisse Eigenthümlich- 
keiten des Meisters aus den besonderen Verdiensten der Schüler zurückzu- 
schliessen, namentlich da, wo diese als ein Ausfluss seiner allgemeinen hin- 
länglich scharf hervortretenden Grundrichtung erscheinen. 
Melanthios. 
Melanthios, oder, wie Plutarch 2) ihn nennt, Melanthos, scheint seinem- 
Lehrer Pamphilos unter allen Schülern am nächsten verwandt gewesen zu sein. 
Denn Quintilian 3) ertheilt beiden gemeinsam das oben gewürdigte Lob der ratio, 
einer auf Wissenschaftlichen Grundlagen beruhenden Kunstübung. Wie sein 
Meister schrieb er auch über die Kunst: Plinius führt ihn unter den Quellen 
des 35sten Buches an; und es ist sehr Wahrscheinlich, was Marini vermuthet, 
dass unter den Schriftstellern über Symmetrie bei Vitruv 4) sein Name an die 
Stelle des gänzlich unbekannten Melampus zu setzen ist; um so mehr als die 
Studien über Symmetrie in der sikyonischen Kunst ganz besonders heimisch 
sein mussten. Diogenes Laertius theilt uns sogar ein Urtheil aus diesen Schriften 
rTit 4): Q1701) 7:29 ösiv aüäuiöeuiv rwa uai oxbygönyra roig äpyoag ämrgäxatv. Wenn 
dieses dahin lautet, dass am Kunstwerke eine gewisse Keckheit und Schärfe 
wahrnehmbar sein solle, so wissen wir freilich nicht, 0b hier mehr vom Ent- 
wurfe oder von der Durchführung die Rede ist. Doch scheint der Vergleich 
mit dem freien und offenen, weder ängstlichen noch abgeschliffenen Benehmen 
eines Mannes, wie er sich aus dem Zusammenhange der Stelle ergiebt, eine 
nicht zu streng wörtliche Deutung der obigen Ausdrücke zu erheischen. Auch 
begreift es sich bei einem Künstler, welcher auf die gründlichste Durchbildung 
Eli-Nachdruck legtgwie er mit Yeben solcher Sorge wacht, dass nicht" über- 
triebene Rücksichten darauf dem Werke die Frische rauben, dass nicht ewiges 
Bessern und Feilen eine zu grosse Glätte und in Folge derselben Weichheit 
oder Mattigkeit erzeugen. Unter solchem Gesichtspunkte gewinnt der Ausspruch 
Plin. 
123. 
Arat. 
XII, 
praef. 
VI T:
        

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