Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200521
Die Maler vom Ende des peloponn. 
bis zum 
Krieges 
Tode 
Alexanders d. 
unmöglich die übrigen Gebiete der Kunst davon unberührt bleiben konnten, 
SOndern seine allgemeinen Grundanschauungen fast mit Nothwendigkeit auf 
dieselben übergehen mussten. Seine Eigenthümlichkeit aber vermochten wir 140 
nicht sowohl in einer kühnen Genialität zu finden, als in dem Streben nach 
allseitiger vollendeter Durchbildung, wie sie nur das Resultat gründlicher, mit 
dem klaren Bewusstsein ihres Zweckes unternommener Studien sein konnte. 
Dadurch ward er der erste, welcher seiner Kunst eine theoretische Grundlage  
Zu geben versuchte und in seinem Kanon mit dem vollsten Erfolge gab. Die 
Feststellung möglichst allgemein gültiger Proportionen des menschlichen Körpers, 
welche ihm verdankt wurde, beruhte aber auf der Untersuchung von Raum- und 
Zahlenverhältnissen; und wenn daher Pamphilos das Studium der Arithmetik 
und Geometrie als unentbehrlich für den Maler hinstellt, so ist er im Princip 
durchaus nur der Nachfolger des Polyklet. 
Dennoch aber bleibt ihm immer noch ein bedeutendes selbständiges Ver- 
dienst, indem bei der Uebertragung eines bereits in einer Kunstgattung zur 
Anwendung gekommenen Princips auf ein davon verschiedenes Gebiet sich auch 
nothwendig andere Anforderungen geltend machen, deren Befriedigung zum 
Theil auf durchaus neuen Gesichtspunkten beruht. Es genügt, einfach auf den 
Gegensatz zwischen plastischer und malerischer Darstellung hinzuweisen, um 
anzudeuten, wie Pamphilos, wenngleich von Polyklet angeregt und von durch- 
aus verwandten geistigen Grundanschauungen ausgehend, doch in der Aus- 
bildung und Anwendung seiner Theorien von seinem Vorbilde unabhängig sein 
konnte, ja in vielen Beziehungen sein musste. Wie" dem auch sei, immer bleibt 
die Stellung des Pamphilos in der Malerei der des Polyklet in der Plastik 
durchaus analog. Wie es das Verdienst des letztern War, die höchste Reinheit 
der Form erstrebt und deren Besitz der Plastik auf lange Zeit gesichert zu 
haben, so gebührt dem Pamphilos derselbe Ruhm für die Malerei. Es ist äusserst 
bezeichnend, wenn Plutarch 1) von dem Ruhme der sikyonischen xgqaroyoaqiia 
spricht, der tüchtigen, soliden Malerei, in welcher allein das Schöne unverdorben 
zu finden sei. Denn eben darin, nicht blos selbst Tüchtiges hervorgebracht, 
Sondern auch andern die Mittel dargeboten zu haben, Aehnliches zu leisten, 
die reine Schönheit zu erhalten und zu bewahren, darin müssen wir das höchste 141 
und das bleibendste Verdienst des Pamphilos erkennen. Dies wurde aber nur 
möglich durch eine mit grösstem Eifer gepflegte Lehrthätigkeit. Zwar ist uns 
nicht eine so grosse Zahl seiner Schüler bekannt geworden wie bei Polyklet, 
aber der Ruhm, der sich an die Namen des Melanthios, Pausias und Apelles 
knüpft, wiegt die grössere Zahl vollkommen auf; und namentlich dass Apelles 
nicht etwa mehr als Anfänger, sondern um seine künstlerische Bildung zu voll- 
enden, sich von Kleinasien aus in die Schule des Pamphilos begab, bietet uns 
für die Vortrefflichkeit derselben das vollgültigste Zeugniss. 
Ueber den Umfang und die Methode seines Unterrichts fehlen uns freilich 
alle eingehenden Nachrichten. Denn, was wir aus des Plinius Angabe über 
den von ihm verlangten Lohn eines Talents, resp. 500 Denare für jedes Jahr, 
folgern zu müssen scheinen, dass er zwölf Jalire zur Bildung eines Schülers
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.