Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200496
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Maler. 
Die 
pueriles delicias aliquas depingere. Wie dem aber auch sei, so legt immerhin 
schon Plinius für die ausgebreitete Gelehrsamkeit des Künstlers ein hinlänglich 
gewichtiges Zeugniss ab. 
Wenden wir uns nun zur Würdigung der bisher angeführten Nachrichten, 
so müssen uns dieselben schon bei flüchtiger Betrachtung einen wesentlich 
andern Eindruck machen, als alles, was wir über die im vorigen Abschnitte 
behandelten kleinasiatischen Künstler erfuhren: wir hören nichts von technischen 
Kunststücken oder von geistreichen Einfällen, wie sie namentlich bei der grossen 
Menge ungebildeter Beschauer sich Beifall zu erwerben pflegen. Auffällig ist 
ferner, dass bei einem sonst so hochgepriesenen Meister nur eine äusserst geringe 
Zahl von Werken namhaft gemacht wird, wenn es auch wieder ein günstiges 
Vorurtheil erwecken muss, dass sich darunter ein Schlachtbild befindet, also 
wieder einmal ein historisches Bild im strengen Sinne. Auch dass seine Werke 
durch Vorzüge nach einer Seite hin, sei es in der Zeichnung, der Farbe, im 
Helldunkel u. a. besonders geglänzt hätten, wird nicht gesagt. Genug, es ist 
nicht sowohl das künstlerische Vermögen, das Können, als das künstlerische 
Wissen, worauf bei Pamphilos der Nachdruck gelegt wird. Um aber seine 
136 auf dieser Eigenschaft beruhende Bedeutung richtig zu würdigen, werden wir 
uns die verschiedenen Kräfte des Geistes vergegenwärtigen müssen, welche beim 
Schaffen und Vollenden eines Kunstwerks thätig sind. Ich thue dies mit den 
Worten Rumohrs 1): „Durch zween, wohl in einander greifende, doch unter- 
scheidbare und unterscheidenswerthe Beziehungen seiner Geistesfähigkeit ge- 
langt der Künstler in den Besitz einer so klaren, so durchgebildeten und reichen 
Anschauung der Naturformen, als er jedesmal bedarf, um diejenigen Kunstauf- 
gaben, welche theils aus seiner inneren Bestimmung, theils aus seiner äussern 
Stellung hervorgehen, deutlich und gemuthend darzustellen. Die erste besteht 
in gründlicher Erforschung der Gesetze, eines Theils der Gestalten, andern Theils 
der Erscheinung solcher Formen der Natur, welche aus inneren Gründen und 
durch äussere Veranlassungen dem Künstler näher liegen, als andere. Die For- 
schungen dieser Art zerfallen in anatomische und optisch-perspectivische.  
Die zweite besteht in Beobachtung gernuthender und bedeutsamer Züge, Lagen 
und Bewegungen der Gestalt; und diese erheischt, um fruchtbar und ergiebig 
zu sein, nicht so sehr sonst empfehlenswerthe Ausdauer und Gründlichkeit des 
Fleisses, als vornehmlich die leidenschaftlichste Hingebung in den sinnlich- 
geistigen Genuss des Schauens." 
Es ist nun klar, dass bei einem Ueberwiegen der letztern Richtung das 
Verhältniss des Künstlers zu der ihm gegenüberstehenden Natur und der Welt 
der Erscheinungen ein durchaus unmittelbares sein wird. Er nimmt die von 
aussen erhaltenen Eindrücke, so weit sie als für die Kunst tauglich auf ihn ein- 
wirken, unmittelbar in sich auf, um sie eben so unmittelbar wieder in das 
Kunstwerk zu übertragen. Hier ist also alles bedingt durch die Lebendigkeit, 
Fülle, Klarheit und Schärfe der Anschauung und Auffassung. Bei dem Vor- 
wiegen einer mehr reflectirenden Thätigkeit muss zwar der Künstler von der- 
selben Grundlage, von einfacher Beobachtung der Erscheinungen in der Natur 
ltal. 
Forsch.
        

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