Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200452
Die 
Maler. 
einem Orte zum andern verpflanzen lässt, ündet die Malerei in der Zeit der 
Bedrängniss ein Asyl in Kleinasien. Die Uebel des peloponnesischen Krieges 
waren für die dortigen hellenischen Städte minder fühlbar; und des Joches der 
persischen Herrschaft ledig erfreuten sie sich gerade damals eines Zustandes 
hoher Blüthe. Bei dem weicheren, beweglicheren, auf Genuss gerichteten Cha- 
rakter des ionischen Volksstammes musste das damals hervortretende Streben 
der Malerei nach Reiz und Illusion der Sinne gerade dort einen besonders 
günstigen Boden vorfinden. So wendet sich denn Zeuxis nach Ephesos, wo 
um diese Zeit durch Parrhasios als einen einheimischen Künstler der Sinn für 
Malerei schon mehr, als in andern benachbarten Städten, geweckt sein mochte. 
Je glänzender aber hierdurch Ephesos augenblicklich erscheint, um so auffal- 
lender muss es uns sein, dass es diesen Ruhm auf die Länge zu bewahren 
durchaus nicht im Stande gewesen ist. Nach dem Tode des Zeuxis und Par- 
rhasios tritt es für längere Zeit wieder gänzlich in den Hintergrund. Zum 
130 Theil mag dies darin seinen Grund haben, dass, wie wir später suchen werden 
wahrscheinlich zu machen, diese beiden Künstler ihrer ganzen Persönlichkeit 
nach wenig darauf ausgingen, durch Lehre nachhaltig zu wirken. Anderen Theils 
aber müssen wir glauben, dass die ganze Ausbildung des bellenischen Lebens 
in Kleinasien bei aller äusseren Förderung der Kunst doch nicht geeignet war, 
für deren stetige innere Entwickelung einen fruchtbaren Boden darzubieten. 
Finden wir doch auch auf dem Gebiete der Sculptur unter den Meistern, welche 
vorzugsweise als die Träger des Fortschrittes wenigstens bis zur Zeit Alexan- 
ders erscheinen, keinen einzigen, der in Kleinasien seine Heimath gehabt hätte. 
Genug, als die politischen Verhältnisse im eigentlichen Griechenland sich wieder 
günstiger für die Kunst gestalteten, sehen wir auch die Malerei nicht nur ihren 
Wohnsitz wieder verändern, sondern auch an verschiedenen Orten, namentlich 
in Sikyon, in Theben und Athen, ganz neue Bahnen einschlagen; und erst 
nach längerer Unterbrechung nimmt Kleinasien den Wettkampf wieder auf, aber 
auch da nicht durch eine bestimmt abgeschlossene Kunstschule, sondern, 
wie vorher, durch einzelne hervorragende künstlerische Individualitäten. 
Vierter 
Abschnitt. 
Die 
Maler 
vom Ende des peloponnesischen Krieges 
Tode Alexanders des Grossen. 
bis 
zum 
Sikyonische Schule. 
 Sikyon, obwohl es sogar die Erfindung der Malerei für sich in Anspruch 
nahm, begründete seinen grossen Ruhm in dieser Kunst doch erst Verhältniss- 
mässig spät durch eine Malerschule, an deren Spitze
        

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