Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195724
würde es sein, zu läugnen, dass die Kunst auch nach andern Richtungen hin 
sich weiter ausgebildet habe, namentlich auf dem Gebiete des Reliefs und der 
untergeordneten Gattungen des Decorativen. Nur sind wir hier zu mangelhaft 
unterrichtet, um die Ausbreitung derselben bestimmen zu können. XVir haben 
den umfangreichen Werken der vorigen Periode nur den Tempel der Athene 
Ghalkioekos und die Dreifüsse des Gitiades und Kallon an die Seite zu stellen; 
als neu aber nur einige Grabmonumente hinzuzufügen, deren eines freilich, 
weil es erhalten ist, eine besondere YVichtigkeit für uns hat. 
Wollen wir nun weiter die innere Entwickelung der Kunst verfolgen, so 
dürfen wir nicht vergessen, dass sie auch in diesem Zeitraume noch vorzugs- 
weise im Dienste der Religion steht. Mögen die grossen Weihgeschenke im 
Laufe der Zeit, je länger, auch desto mehr selbständige Kunstwerke geworden 
sein, ihrem Ursprünge nach waren sie religiös, und Götter erscheinen noch 
immer zwischen den Bildern der Heroen und selbst der Sterblichen. In den 
Götterbildern aber sind die alten Bande noch streng, und selbst bedeutende 
Künstler dürfen es nicht wagen sie zu sprengen. Von höchstem Gewicht ist 
uns hier, was von Onatas erzählt wird. Er arbeitet seine schwarze Demeter 
theils nach einem alten Bilde, theils nach Erscheinungen, die er im Traume 
gehabt. Hier erkennen wir deutlich, dass der Künstler das Unkünstlerische des 
Gegenstandes fühlt, den ihm der Priester aufzwingt. Geradezu widersprechen ] 
darf er seinen Weisungen nicht. Da nimmt auch er seine Zuflucht zur Religion. 
Die Göttin selbst muss im Traume erscheinen und das gut heissen, worin der 
Künstler von den Satzungen der Priester abweichen will. Ob dabei ein frommer 
Betrug im Spiele ist, ob der erregten Phantasie des Künstlers das Bild der 
Göttin wirklich im Traume erschien, kann uns gleich gelten. Immer erkennen 
wir hier das erste mächtige Anzeichen eines Strebens nach Freiheit, nach un- 
gehemmter Entwickelung und organischer Bildung. Aber ebenso erkennen wir 
durch das theilweise Festhalten an einem alten Vorbilde, dass die wahre, volle 
Idealbildung der Götter nicht erreicht war. Sie blieb dem Genius eines Phidias 
vorbehalten. Wollen wir einmal Schlagwörter gebrauchen, so ist es nicht das 
Ideal, sondern der Typus der Göttergestalten, der in dieser älteren Zeit be- 
stimmter ausgeprägt wird. Ganze Gruppen, die das Wesen einer Gottheit näher 
bezeichnen sollen, werden ihr ohne Weiteres auf die Hand gestellt. Die At- 
tribute, der Blitz des Zeus, der Heroldsstab des Hermes, Apollo's Bogen, die 
wir in späteren Bildern, sofern nicht eine bestimmte Handlung es anders be- 
dingt, in den Händen der Götter unthätig und nur zu kräftigem Gebrauche 
ruhen sehen, diese Attribute werden in den älteren Bildern recht eigentlich zur 
Schau getragen; der Gott steht da, um seinen Blitz, seinen Bogen, das Zeichen 
seiner Macht, dem ehrfurchtsvollen Beschauer recht eindringlich vor Augen zu 
führen. Auch andere äussere Kennzeichen, die verschiedenen Stufen des Alters, 
Bart, Haar, Bekleidung, werden für die einzelnen Götter immer fester bestimmt. 
Dass nun aber diese einzelnen Unterscheidungszeichen zu einem einheitlichen 
Ganzen aus dem innern Wesen der Gottheit heraus, zu einem Ideal verarbeitet 
worden nrären, davon liefern uns die schriftlichen Nachrichten so wenig, wie 
die erhaltenen Denkmäler einen Beweis. 
Was wir nun weiter über den Styl dieser Epoche erfahren, hält sich in
        

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