Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195716
Bildhauer. 
und naher Beziehung zu andern grösseren Gottheiten und zu bestimmten Hand- 
lungen. Wir dürfen uns hier begnügen, die blosse Thatsache hinzustellen. Die 
Nachweisung der Gründe derselben gehört in eine Geschichte der Entwickelung 
griechischer Gultus- und Religionsbegriffe. 
In der Bildung der Heroen bemerken wir in dieser Periode einen be- 
deutenden Umschwung: sie ist nicht mehr auf das Relief beschränkt, wir finden 
vielmehr eine Reihe von Statuen. Allein es ist nicht sowohl ihre grössere oder 
geringere Tüchtigkeit für künstlerische Darstellung, welche ihr Erscheinen in 
der Plastik bedingt, als ihre nationale Bedeutung. Dahin gehören die pho- 
kischen Heroen des Aristomedon, Taras und Phalanthos, die Achaeer vor Troja 
von Onatas. Nur in etwas anderer Richtung; reihen sich ihnen an Homer, He- 
siod, Orpheus, gewissermaassen Heroen der Musik und Poesie, so wie die Per- 
sonitication des Agon von Dionysios. Auf nationalem Boden ruhen denn auch 
die Darstellungen wirklich geschichtlicher Personen, wie wir sie unter den Werken 
eines Ageladas, Onatas, Aristomedon finden. lhretwegen dürfen wir indessen 
nicht annehmen, dass jetzt schon die historische Kunst im strengen Sinn, in- 
sofern sie wirkliche Begebenheiten in Voller Charakteristik darstellt, auch auf 
dem Gebiete der Plastik Eingang gefunden habe. Sie stehen vielmehr auf 
gleicher Linie mit den Bildern der Heroen, mit denen sie auch ausserlich ver- 
bunden sind, mehr um an bestimmte Begebenheiten zu erinnern, als sie dar- 
zustellen. Auch an eine scharfe lndividualisirung der einzelnen Gestalten wagen 
wir deshalb'in dieser Zeit noch nicht zu denken und begnügten uns daher 
schon früher, bei den Barbarenbildungen des Onatas und Ageladas auf die 
Nichtgriechen der aeginetischen Giebelstatuen zu verweisen. 
Dass man sich indessen im Laufe der Zeit dem wirklichen Leben, der 
Nachahmung der Natur immer mehr näherte, dafür bürgt eine ganze Klasse von 
Denkmälern, die Ehrenstatuen der olympischen Sieger. Sie sind es, die, ob- 
wohl nicht ausser Beziehung zu religiöser Sitte, doch die Kunst zuerst von re- 
ligiösen Schranken befreien und zu ihrem Urquell, der Natur, zurückführen. 
In wieweit sie Portraitbildungen waren, ist bei dem Mangel sicherer Denkmäler 
oder der Nachrichten darüber noch immer nicht ausgemacht 1). Doch lehrt uns 
wenigstens ein Beispiel, die Statue des Glaukos in der Stellung des antayaxsiv, 
dass man auch schon in dieser frühen Zeit nach Mannigfaltigkeit in der Be- 
wegung strebte. Durch olympische Siegesdenkmale von Viergespannen und 
Rennpferden musste ferner die Bildung der Thiere, zunächst des Rosses, wesent- 
liche Fortschritte machen; und wir finden daher auch schon unter den Weih- 
geschenken der Tarentiner Kämpfer zu Ross. Noch selbstständiger erscheinen 
daneben die Löwin des Amphikrates und vielleicht die Stiere des Theopropos 
und Philesias. 
Indem wir so aus den einzelnen Thatsachen das Gebiet der Kunstthätig- 
keit in dieser Periode näher zu umgrenzen versuchten, hatten wir zunächst die 
eigentlich statuarische Kunst im Auge und wir glauben auch, dass die Resultate 
mit dem, was uns ohne Rücksicht auf bestimmte Künstler aus dieser Zeit über- 
liefert ist, wenigstens im Allgemeinen im Einklang stehen. Thöricht indessen 
Vgl. 
Krause
        

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