Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195587
Grüssere 
Ausbreitung und Streben nach freier 
Entwickelung. 
m O1. 
Hegias oder Hegesias, Kritios und Nesiotes. 
Plinius 1) führt Kritios, Nesiotes und Hegias als Zeitgenossen unter Ol. S4 
an. Pausanias?) nennt Hegias dem Ageladas und Onatas gleichzeitig. Bei 
Lucian 3) aber finden wir als Künstler der alten Schule in derselben Verbindung 
mit Kritios und Nesiotes den Hegesias, und Quintilian 4) stellt Hegesias auf die 
gleiche Stufe der Kunst mit Kallon und vor Kalamis. Alle diese Nachrichten 
stimmen in Betreff der Zeit, des Charakters, der Genossenschaft so überein, 
dass Thiersclfs 5') Ansicht von der Identität der Namen des Hegias und Hegesias 
Sich gewiss allgemeiner Anerkennung erfreut haben würde, bildete nicht eine 102 
zweite Stelle des Pliniusß) einen scheinbaren Widerspruch, indem dort Hegias 
und Hegesias als zwei Personen angeführt werden. Sie lautet: Hegiae Minerva 
Pyrrhusque rex laudatur et celetizontes pueri et Gastor et Pollux ante aedem 
Iovis tonantis  Hagesiae in Pario colonia Hercules  Isidori buthytes. Sillig 
hat mit v. Jan vor Hagesiae und nach Hercules interpungirt. Ich mache je- 
doch auf eine Inschrift aus Pozzuoli aufmerksam, in der ein Ktinstler lsidoros 
gerade Parier genannt wird T). Dies führt darauf, bei Plinius zu verbinden: in  
Pario colonia Hercules Isidori buthytes, so dass buthytes, der Stiempterer, als 
Beiwort zu Hercules gehört. Betrachten wir jetzt die übrig bleibenden Worte, 
so erscheint der Name des Hegesias nur dazwischen gesetzt, um alles in Un- 
ordnung zu bringen. lch denke mir daher die Sache so, dass ein Glossator 
oder Plinius selbst Hegesiae als Variante oder Doppelform von Hegiae an den 
Rand setzte und diese dann später unbefugter Weise in den Text gerieth. Die 
Einwendung, welche sich Thiersch selbst macht, dass nemlich die celetizontes 
pueri in dieser frühen Zeit auffällig seien, lässt sich durch einfache Hinweisung 
auf gleiche Werke des Kanachos leicht beseitigen.- 
Werke des Hegias sind sonach die bei Plinius angeführten, nemlich Mi- 
nerva, Pyrrhus, natürlich nicht der König von Epirus, sondern der Sohn des 
Achilles, endlich Castor und Pollux in Rom vor dem Tempel des Juppiter tonans. 
Dass Hegias wahrscheinlich Lehrer des Phidias war, werden wir später erfahren. 
In Betreff des Styls wird er immer mit den folgenden Künstlern zusammen 
genannt. 
Die Namen derselben, Kritios und Nesiotes, sind erst durch die Ent- 
deckung athenischer Inschriften in den Jahren 1835 und 1839 festgestellt worden. 
Kritios ward früher Kritias genannt, und den Namen Nesiotes glaubte man auf 
denselben Künstler wegen angeblicher Herkunft von einer Insel beziehen zu 
müssen. Genaue Erörterungen darüber, die wir hier nicht wiederholen wollen, 
finden sich bei Ross Kritios,Nesiotes etc. Athenes 1839 und im Kunstblatt 1840, n. 11. 
Ueber die Accentuirung Kpirtog S. Göttling in Gerhards arch. Zeit 1845, S. 96. 
 Als Zeitgenossen des Onatas, Ageladas, Kallon mussten diese Künstler zwi- 103 
sehen Ol. 70 und 80 leben. Damit lässt sich auch die Angabe des Plinius S) 
vereinigen, insofern Phidias 01.84 blüht, jene drei Künstler aber seine älteren, 
Alkamenes, der zugleich genannt wird, sein jüngerer Zeitgenosse war. Die 
athenischen Inschriften fallen ebenfalls in die Zeit gegen Ol. 80. Auch Plutarch 9)
        

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