Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195579
Bildhauer. 
dass 
Inschrift 
eher 
nach 
setzen 
wäre. 
Gewiss 
kein 
Grund, sie sogar, wie es geschehen ist, bis gegen O1. 55 hinatifzurticken. 
Nach den einfachsten Grundsätzen historischer Kritik müssen wir bei der 
Zeitbestimmung des Endoeos von der noch erhaltenen Inschrift ausgehen, also 
ihn für einen Künstler etwa der 7Osten Ol. erklären. XVas wir von seinen Werken 
wissen, streitet in keiner Weise dagegen. Marmor und Elfenbein als das Material 
mehrerer derselben bieten sogar für Annahme dieser späteren Zeit eine gewisse 
Bestätigung. Der Styl ferner wird als vorzugsweise alterthümlich nirgends be- 
zeichnet. Dass endlich Endoeos bei Athenagoras Schüler des Daedalos heisst, 
braucht nichts anderes zu bedeuten, als dass er den alt-attischen Daedaliden 
zugezählt wurde. Nun aber tritt Pausanias auf und erzählt uns 1): Endoeos sei 
nicht nur Schüler des Daedalos gewesen, sondern habe ihn sogar auf seiner 
Flucht nach Kreta begleitet. Auf diese Angabe hin hat sich bei neueren For- 
schern die Meinung ausgebildet, Endoeos sei ein mehr der Künstlersage, als der 
Geschichte angehöriger Name, oder wenigstens müsse man neben dem geschicht- 
lichen noch einen mythischen Endoeos annehmen. Die Deutung; des Namens 
zwar aus der inneren Structur der Bilder, njg ävöov ägyaoiag, hat Welckerit), 
der sie zuerst aufgestellt, nach der oben erwähnten Verbesserung Schubarts 
selbst wieder aufgegeben. Allein auch er nimmt Anstand, die Zeit des Endoeos 
irgendwie fest zu bestimmen. Ich kann diese Meinung nach dem Gange, den 
unsere bisherigen Erörterungen über die gesammte ältere Künstlergeschichte 
genommen haben, nicht mehr theilen. Denn ich erkenne hier nur wieder einen 
der Fälle, wo Pausanias durch gänzlichen ltlangel einer künstlerischen Kritik 
sich verleiten lässt, Thatsachen aus klarer historischer Zeit durch die schwanken- 
den Angaben der Sage zu verwirren. Streichen wir einfach seine Erzählung 
von der kretischen Wanderung des Endoeos, so ist alle und Ajede Schwierigkeit 
gelöst. Der Künstler nimmt seinen festen Platz um O1. 70 ein, und danach ist 
es nicht unmöglich, dass derjenige Kallias, welcher das eine Werk des Endoeos 
weihte, der zweite des bekannten Geschlechtes War, der durch die Erwerbung 
seiner Schätze nach der Schlacht von Marathon berühmte und loerüchtigte Aaxmi- 
rrltovrog, derselbe vielleicht, dem später Kalamis ein Bild der Aphrodite machte. 
Die Werke des Endoeos waren vorzugsweise Götterbilder. Bedenken wir 
nun, wie streng die Religion vor Phidias an althergebrachten Formen festhielt, 
so lässt sich auch hierin ein Grund dafür finden, dass Endoeos mehr, als 
ein anderer, Daedalide genannt werden konnte. Wir nehmen einmal einen 
Augenblick als gesichert an, was zunächst nur als eine Möglichkeit zuzugeben 
ist, dass die oben erwähnte noch erhaltene Pallas wirklich ein Werk des En- 
doeos sei: was wird ein unkritischer Beschauer von ihr urtheilen? Dass sie 
ein steifes höchst alterthümliches Werk sei, weit abstehend von der Entwicke- 
lung der Zeit des Phidias. Und doch steht sie derselben nahe genug, wie 
z. B. Schöll sehr richtig gefühlt hat. Dadurch mögen wir uns zur Vorsicht 
mahnen lassen, dass wir nicht einer vereinzelten Angabe zum Opfer bringen, 
was sich aus dem Einklange äusserer und innerer Gründe als gesichertes Er- 
gebniss herausstellt.  
Sehr. 
516 
Hgd.
        

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