Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195538
Die 
Bildhauer. 
 wundern dürfen, je höher Pausanias das künstlerische Verdienst des Onatas zu 
schätzen scheint: „Diesen Onatas, obwohl auch er im Styl seiner Werke der 
aeginetischen Schule angehört (ögwäg, xai räxvryg äg 1d oiyrdlgzccrcc övra Aiyßvaiag), 
werden wir dennoch keinem nachsetzen von den Daedaliden und der attischen 
Kunstgilde" 1). Dieses Urtheil lautet sehr bestimmt, dennoch aber lehrt es uns 
sehr wenig, da es die Kenntniss des Unterschiedes attischer und aeginetischer 
Kunst voraussetzt. Wir erkennen nur, dass Pausanias die attische Schule im 
Allgemeinen höher, als die aeginetische, den einzelnen Onatas aber jener 
wenigstens gleich stellt. Onatas erscheint danach bei ihm als der vorzüglichste 
Künstler der ganzen Schule. Ich wage nicht, mich mit andern zur Bekräftigung 
dieses Urtheils auf die Statuen aus dem Giebel des Athenetempels zu Aegina 
zu berufen. Denn das hiesse nur sich im Kreise herumdrehen, da man erst 
auf das Lob des Pausanias die Vermuthung gebaut hat: Onatas müsse deshalb, 
weil diese Werke ein solches Lob verdienen, nun auch nothxvendiger Weise an 
95 ihnen thätig gewesen sein. YVohl aber legen diejenigen Werke, welche Pau- 
sanias anführt, von der Bedeutung des Künstlers einigermaassen Zeugniss ab. 
Fassen wir die nicht eben bedeutende Anzahl ins Auge, so dürfen wir nament- 
 lich die Mannigfaltigkeit der Gegenstände nicht übersehen, an denen Onatas 
sich versucht hat. Er bildet Götter, Heroen, Menschen, Pferde, in verschiedenen 
Altern, gewaffnet, bekleidet und nackt, in verschiedenen Stellungen und Hand- 
lungen. YVie weit er freilich in der Charakteristik des Einzelnen ging, bleibt dahin- 
gestellt. So werden wir z. B. bei dem Barbarenkönig Opis nicht an spätere 
Barbarenbildungen, sondern vielmehr an die nur äusserlich von den Griechen 
unterschiedenen Trojaner unter den erhaltenen Giebelstatuen erinnern dürfen. 
Auch darin zeigt sich ferner eine gewisse Beschränkung, dass unter allen Werken 
nur eine Frauenbildung angeführt wird, die schwarze Demeter. Sie mag viel- 
leicht dem Onatas am wenigsten Gelegenheit geboten haben, sein künstlerisches 
Verdienst zu zeigen. Aber gerade sie wird uns wegen der Geschichte ihre) 
Entstehung später Gelegenheit geben, in das innere YVesen der damaligen Kuns 
einen tieferen Blick zu thun. 
Aegina verlor O1. 80, 3 seine Selbständigkeit und damit endet auch dir 
Blüthezeit seiner Kunst. Die wenigen Künstler, von denen wir noch Nachrich 
haben, Enden daher, auch wenn ihre Zeit unbekannt ist, am besten hier ein1 
Stelle. 
Haltimos. Wir kennen ihn aus einer Inschrift von Aegina, G. Insci 
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