Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195521
Grössere 
Ausbreitung und Streben nach freie-r Entwickelung, 
von O1. 
beigeschrieben war; Idomeneus, auf dessen Schilde neben dem Hahn, Welchen  
Pausanias auf die Abstammung des Helden von Helios bezieht, auch der Name 
des Künstlers eingegraben war; und Odysseus, dessen Statue Nero nach Rom 
geschleppt hatte. Die übrigen sechs müssen nach Homer gewesen sein: Dio- 
medes, die beiden Aias, Meriones, Eurypylos, Thoas. In der Weihinschrift 
nannten sich die Achaeer Nachkommen des Pelops und Tantalos, gaben aber 
die Veranlassung der Weihung nicht näher an. Eine Vermuthung, welche Rath- 
geber (S. 4-17) darüber aufstellt und auch auf den Hermes der Pheneaten an- 
wenden Will, beruht auf zu schwachen Grundlagen, als dass sie ernstere Be- 
rücksichtigung verdiente. 
G) Das Weihgeschenk, welches die Tarentiner für ihre Siege über die 
barbarischen Peucetier in Delphi aufstellten: Paus. X, 13, 10. Es waren Bilder 
von Kämpfern zu Fuss und zu Ross, darunter der König der Jagypier, Opis, 
als Bundesgenosse der Peucetier. Er war, als im Kampfe gefallen, liegend ge- 
bildet; auf ihm standen der Heros Taras und Phalanthos aus Lakedaemon, 
nicht weit von Phalanthos aber ein Delphin mit Rücksicht auf seine wunder- 
bare Rettung durch denselben. Ausser Onatas war an diesem Werke Kalyn- 
thos thätig, ein Künstler, der sonst unbekannt ist. Da nun noch dazu die 
Worte des Pausanias verderbt sind (Kahßväov rs sorßxwoz, soyov), so vermuthet 
Kayser (Rhein. Mus. N. F. V, S. 34-9), dieser Kalynthos und der schon früher er- 
wähnte Mitarbeiter des Onatas, Kalliteles, seien eine und dieselbe Person. Wollen 
wir aber einmal den Namen verdächtigen, so liesse sich allenfalls auch auf Ka- 
lamis rathen in Hinblick auf das folgende Werk des Onatas: 
7) Das Denkmal für die olympischen Siege. des Hieron. Es war ein 
Viergespann nebst Lenker; daneben aber stand von der Hand des Kalamis auf 
jeder Seite ein Rennpferd von einem Knaben geritten. Diese letzteren Bild- 
werke bezogen sich auf die zwei Siege, welche Hieron im einfachen Pferde- 
rennen davongetragen hatte. 
S) Endlich hat man dem Onatas auch ein Gemälde beilegen wollen, den 
Zug der Sieben gegen Theben darstellend. Es befand sich neben den Freiern 
der Penelope von Polygnot im Tempel der Athene Areia zu Plataeae, für welchen 
Phidias das Götterbild gemacht hatte: Paus. IX, 4, 2; vgl. 5, 11'. Da Tempel 94 
und Gemälde gegen Ol. 80 entstanden sein müssen, so würde hinsichtlich der 
Zeit keine Schwierigkeit obwalten. Allein an beiden Stellen des Pausanias ist 
der Name des Onatas erst durch Conjectur in den Text gekommen, während 
nach den Handschriften die Lesart Onasias so sicher steht, dass die neuesten 
Herausgeber geglaubt haben, sie wieder aufnehmen zu müssen; und gewiss 
mit Recht. Pausanias erwähnt den Onatas ziemlich häufig, aber nie ohne An- 
gabe seines Vaterlandes Aegina; gerade hier fehlt sie. Er verbreitet sich sonst 
mit besonderer Liebe über die Verdienste des Onatas, würde also gewiss nicht 
unterlassen haben, seine Thätigkeit in der Malerei mit neuen Lobsprüchen zu 
begleiten, wenn er überhaupt von ihm spräche. 
Es verdient ausdrücklich bemerkt zu werden, dass bis auf das einzige 
Epigramm des Antipater alle Nachrichten, welche die Person des Künstlers an- 
gehen, nur allein aus Pausanias geschöpft sind. YVeder Plinius noch sonst 
irgend ein anderer Schriftsteller erwähnt ihn, worüber wir uns um so mehr
        

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