Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195425
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Ausbreihm g 
md Streben nach 
freier Plntwickc 
indem theils der Ausdruck verblasst, theils die Formen in eine freiere Bildungs- 
weise übertragen werden. Man vergleiche nur die besten Wiederholungen unseres 
Apollotypus, die Payne Knighfsche 1) und die jetzt im Louvre befindliche Bronze i), 
so werden sich bei aller äusseren Aehnlichkeit auch dem tlüchtigen Beschauer 
bedeutende Unterschiede in der feineren Charakteristik leicht offenbaren. Wir 
müssen uns daher begnügen. auf die Grundzüge der ganzen Gestaltung hin- 
zuweisen. Die Stellung der Figur ist mehr stehend als schreitend, indem der 
linke Fuss nur wenig vorgesetzt ist. Da aber die Schwere des Körpers nicht 
vorzugsweise auf einem Fusse ruht, sondern gleichmässig" auf beide rertheilt 
ist, so erscheint die ganze Bewegung gebunden und entbehrt der Leichtigkeit. 
Damit hängt es zusammen, dass auch die Arme, um das Gleichgewicht des 
Körpers nicht zu stören, oberwärts ziemlich eng am Körper anliegen, während 
sie vom Ellenbogen an gleichmässig vorgestreckt sind. Endlich entspricht es 
dieser strengen Gliederung, dass der Kopf gerade vorwärts gerichtet, der Blick 
ohne ein laestimmtes festes Ziel ist. Die Haare, an denen sich die Alterthüin- 
lichkeit besonders deutlich zu zeigen pflegt, sind in den verschiedenen Wieder- 
holungen nicht völlig übereinstimmend gebildet. Doch zeigt sich nirgends ein 
Streben nach reiner Naturnachahmuiig, sondern eine systematische Anordnung 
in Reihen von Löckchen oder regelmässigen Parthien. 
Wie weit die hier angegebenen Kennzeichen gerade dem Kanachos oder 
nur tiberhaupt der älteren Kunst angehören, ist schwer zu entscheiden. Auch 
das Urtheil des Cicero a), welcher Kanachos eine Kunststufe höher aufwärts als 
Kalamis, zwei höher als Myron setzt, vermag uns darüber keinen Aufschluss zu 
gewähren. Um so mehr halte ich es für Pflicht, in einem Punkte zur Vorsicht 
zu rathen, nemlich nicht vorschnell diesen Apollo als ein den aeginetischen 
Giebelstatuen verwandtes Bildwerk hinzustellen; denn diese Verwandtschaft würde 
sich höchstens auf die allgemeine Aehnlichkeit aller alterthtimlichen griechischen 
Kunstwerke erstrecken. Die einzelnen Formen dagegen erscheinen in den Aegi- 
neten weit schärfer bezeichnet, als in dem Apollo, der, soweit sich aus den 
Copien urtheilen lässt, im Ganzen einen gedrungenen, kräftigen Körperbau, im 
Einzelnen aber mehr Fülle und Rundung zeigt. Auch im Ausdruck fehlt ihm 
zwar nicht eine gewisse Gutmüthigkeit, aber sie ist gepaart mit einem Grade 
von Ernst und Strenge, den man in den lächelnden Gesichtern der Aegineten 
vergeblich suchen wird. 
Was wir von den übrigen Werken des Kanachos wissen, giebt uns über 
den Styl keinen näheren Aufschluss. Die Attribute seiner Aphrodite, Mohnkopf 
und Apfel, sind die, welche Wir in alterthtimlichen Terracottenbildungen zu sehen 
gewohnt sind. Nur das ist noch zu bemerken, dass Kanachos nicht ausschliess- 
lich in einem Stoffe arbeitete. Der milesische Apoll, die Knaben mit den 
Rennpferden, wahrscheinlich auch die Muse, waren aus Erz, und ZWEIP, wie 
Plinius bemerkt, von aeginetischer ltlischung. Bei dem ismenischen Apollo 
wandte er noch das von Alters her gebräuchliche Holz an, bei der Aphrodite 
Gold und Elfenbein. Vielleicht arbeitete er auch in Marmor. Pliniusi) sagt 
1) 
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