Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195377
Die 
Bildhauer. 
71 Male davongetragen hatten, aber doch nur mit einer einzigen Statue geehrt 
wurden. Dass diese meist nach dem letzten, nicht nach dem ersten Siege auf- 
gestellt worden sind, lehren die lnschriften, in denen der früheren Siege Er- 
wähnung geschieht. Wenn aber die Weihung nicht unmittelbar nach de-m ersten 
und zweiten Siege folgte, wer bürgt dann dafür, dass es sogleich nach dem 
dritten oder vierten geschah? Mir scheint es daher, wenn nicht völlig- ausgemacht, 
doch sehr wahrscheinlich, dass die Sieger erst dann, wenn sie wegen vorgerückten 
Alters oder aus andern Gründen von der Preisbewerbung überhaupt abstanden, 
an die Errichtung einer Statue dachten. Dabei ist ferner zu bedenken, dass es 
kein Gesetz gab, welches dieselbe gebot. Oft mochte ferner ein Sieger nicht 
sogleich die Mittel haben, den Aufwand einer Statue zu bestreiten. Häufig 
thaten es Freunde, Verwandte, die Vaterstadt 1); ebenso konnte aber auch der 
Sieger selbst, wenn er etwa später sich Reichthtim erwarb, erst dann sein Ehren- 
recht in Anspruch nehmen. Endlich dürfen wir nicht vergessen, dass die ersten 
Statuen nach Pausanias Ü) sich auf Siege der 59sten und Glsten Ol. beziehen. 
Dürfen wir daraus schliessen, das fünf, sechs Olympiaden später die Sitte schon 
so allgemein war, dass jeder sogleich nach dem Siege an eine Statue dachte? 
Eine Statue errichten dürfen heisst nicht, sogleich eine solche wirklich er- 
richten. Unter den zehn Siegern im Stadium von Ol. 60-459 erwähnt Pausanias 
nur den einzigen Anochos als mit einer Statue bedacht, und ich finde tiber- 
haupt nur zehn KVerke, die sich auf die sämrntlichen Siege dieser zehn Olym- 
piaden beziehen 3). Anochos hatte aber noch dazu, ausser im einfachen, auch 
im Doppellaufe gesiegt, und es ist daher um so weniger Anstoss daran zu 
nehmen, wenn seine Statue später errichtet ward, da dieser zweite Sieg in 
einer schwereren Kampfart später davongetragen sein konnte. YVill man aber 
behaupten, mindestens müsse Ageladas die Statue des Timasitheos von Delphi 
vor Ol. G8, 2 gearbeitet haben, weil dieser damals von den Athenern hingerichtet 
72 wurde, so ist auch das nicht unumgänglich nothwendig. Er siegte mehrere 
ltlale und war zur Zeit seines Todes allem Anscheine nach in einem Alter, in 
welchem er noch an fernere Siege denken konnte. S0 mochte es geschehen, 
dass erst nach seinem Tode Freunde oder Verwandte den Ruhm seiner Siege 
durch eine Statue feierten. 
Da also die Alten nicht aiusdrticltlich von zwei Künstlern des Namens 
Ageladas sprechen, da ferner nach Beseitigung des Herakles von illelite und 
bei Berücksichtigung der Unsicherheit in der Aufstellungszeit olympischer Sieger- 
statuen die übrigen Angaben sich auf eine und dieselbe Person beziehen lassen, 
so nehmen wir an, dass Ageladas etwa Ol. 70 die Kunst zu üben begann und 
bis gegen Ol. 82 am Leben War. Damit stimmt denn auch die Angabe des 
Pausanias vollkommen überein, dass die Zeit des Onatas mit der des Hegias 
und Ageladas zusammentreffe 4). Onatas blüht Ol. 75-80, würde also gerade 
in die Zeit fallen, welche zwischen dem von Thiersch angenommenen Sikyonier 
und dem Argiver Ageladas in der Mitte liegt. Damals aber, bald nach Ol. 78, 4-, 
1) Vgl. Krause O1.  174 Hg. E)! Pans. VI, 18, 7. 3) Nemhch die Siege des Rhexi- 
hios Ol_ 61, 31111911 U1 G2 und flgd. Mxltxades vor O1. 63: Anoclaos 0]. 6.5. Plvagoras vor 
O], 66, Denmratos (Jl, 6.5 und 66. Klegsiheßluos O1. 66. Phcldolas vor, und seine Söhne O]. 68. 
Timasifheos vor O]. 68, 2. i) VÜT- 43, 
        

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